Was hat SAP mit Hybris vor?

Nach dem Kauf von Hybris durch SAP gehen Analysten davon aus, dass die Walldorfer die Zuger Technologie ins Portfolio integrieren werden. Der Hybris-COO sieht das aber anders.
 
Am Mittwoch gab SAP den Kauf des Zuger Softwareherstellers Hybris bekannt. Die E-Commerce-Lösungen von Hybris gehören zu den weltweit verbreitetsten. Für SAP ist das eine strategisch wichtige Übernahme - laut 'Dow Jones' soll SAP rund 1,5 Milliarden Dollar für Hybris bezahlt haben. Der Software-Riese aus Walldorf konzentriert sich seit geraumer Zeit nicht mehr nur auf den mittlerweile gesättigten ERP-Markt. SAP wächst zunehmend in die Breite, auch mit der jüngsten Akquisition.
 
Analysten glauben an eine Integration
Gegenüber 'Silicon.de' sagte Gartner-Analyst Christian Hestermann, Hybris habe bisher lediglich die Grösse und das Gewicht gefehlt: "Für multinationale Kunden war Hybris bislang teilweise einfach international nicht weit genug verbreitet."
 
Peter Sheldon, Analyst bei Forrester, geht in einem Blogeintrag auf die Schwächen von SAP im E-Commerce-Bereich ein. Die Lösungen von SAP seien zu eng mit den eigenen CRM-Produkten verknüpft, weshalb ausserhalb der installierten Basis der CRM-Kunden kaum Interesse dafür bestand.
 
Beide Spezialisten glauben, dass SAP die Lösungen von Hybris eng ins eigene Portfolio einbinden wird. Das dürfte für Hybris-Anwender unmittelbar kaum Folgen haben, obwohl für sie die Unübersichtlichkeit des SAP-Portfolios wohl künftig eine Rolle spielen wird. Laut Sheldon müssen sich ausserdem Hybris-Partner auf Veränderungen gefasst haben. Vor allem Nischenplayer dürften Mühe damit haben, im Ökosystem von SAP einen Platz zu finden.
 
Thoma: Keine Integration, Partner profitieren
Der COO von Hybris, Carsten Thoma, sieht hingegen eher Synergien im Partnerkanal. Aufgrund der hohen Komplexität und Innovationsgeschwindigkeit im E-Commerce-Geschäft sei ausserdem eine unabhängige Geschäftseinheit mit weitreichenden Synergien eine sinnvolle Lösung, so Thoma in einem Interview mit der 'Handelszeitung'. Darin sagt er auch, man arbeite bereits seit längerem mit SAP zusammen. Mehr als die Hälfte der Grosskunden von Hybris seien auch SAP-Kunden. Einer der grössten Wettbewerbsvorteile sieht Thoma in der Möglichkeit, auf Bestandeskunden von SAP zurückgreifen zu können.
 
Ausserdem verrät Thoma, dass sich auch andere Firmen für Hybris interessiert hatten: "Es gab grosses Interesse von weiteren globalen Software- und Internethäusern." Namen nannte er natürlich keine. (mim)