Kritik an Software-Ausschreibung des Bundes

Der Bund schreibt den Kauf von Oracle-Software öffentlich aus, gewährt aber für die Einreichung von Offerten eine Frist von nur 10 Tagen. Das stösst auf Kritik.
 
Wieder gerät die zentrale Beschaffungsinstanz des Bundes, das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), in die Kritik. Diesmal geht es um Oracle-Software. Das BBL hat den Auftrag für die Beschaffung von Oracle-Software am 6. Mai ausgeschrieben und eine Frist von nur zehn Tagen für das Einreichen von Angeboten seitens Oracle-Partnern festgelegt. Gewonnen hat der 8-Millionen-Franken-Deal der Berner Oracle-Spezialist Acceleris.
 
Ein ungenannt bleiben wollender Leser kritisierte die Ausschreibung harsch. In der kurzen Zeit von 10 Tagen sei es gar nicht möglich, bei Oracle ein Angebot für die Software-Lizenzen einzuholen. Gewinnen habe deshalb nur eine Firma können, die vor der Ausschreibung darüber informiert gewesen sei. Das Ganze sei ein abgekartetes Spiel, so der heftige Vorwurf unseres Lesers.
 
In der Tat braucht Oracle normalerweise wesentlich länger als eine Woche, um Preisangaben bei grösseren Deals zu machen.
 
Viele Angebote
Das kritisierte BBL wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Da es sich um genau spezifizierte Standardprodukte handelt und deshalb lediglich der Preis für den Zuschlag massgebend ist, beschränkt sich der Aufwand für die Ausarbeitung eines Angebots auf ein Minimum. Es ist zu erwarten, dass ein Anbietender innerhalb von einer Arbeitswoche sämtliche erforderlichen Angaben einholen und ein gutes Angebot erstellen kann. Der Markt wird durch die Fristverkürzung nicht eingeschränkt, was durch die Zahl der eingereichten Angebote belegt wird," so BBL-Sprecher Jonas Spirig auf Anfrage.
 
Accleris-Chef Pascal Stürchler seinerseits sagt, dass Oracle schon lange von der kommenden Ausschreibung gewusst habe, da man den Lizenzbedarf des Bundes gekannt hat. Seine Firma habe die Preise beim Oracle-Distributor eingeholt und knapp vor Ablaufen der Frist erhalten.
 
Während Oracle nicht unter Preisdruck gestanden sei, da es um Software und Datenbanken geht, die man nicht einfach durch ein Konkurrenzprodukt ersetzen kann, führten die offerierenden Oracle-Reseller den Kampf um den Deal auf Kosten ihrer Marge, so Stürchler. (Christoph Hugenschmidt)