Steuerverwaltung kehrt SuisseID den Rücken zu

ESTV arbeitet an einem Online-Portal für Mehrwertsteuerpflichtige - für die Authentifizierung ist die SuisseID nicht mehr vonnöten.
 
Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) arbeitet seit geraumer Zeit an einer Applikation namens SuisseTax, die es Mehrwertsteuerpflichtigen ermöglichen soll, ihre Abrechnung elektronisch einzureichen. Dieses Portal wurde im Rahmen des Informatik-Projekts Insieme erstellt, das aber im letzten Jahr unter lautem Getöse an die Wand gefahren wurde. Trotz dieses Debakels blieb die Pilotanwendung für rund 250 Test-User in Betrieb und soll nun in eine neue Lösung überführt werden.
 
Laut den bisherigen Nutzungsbedingungen ist die SuisseID eine zwingende Voraussetzung für die Registrierung. Das wird sich nun aber ändern. Wie Beat Furrer, Leiter Kommunikation ESTV, gegenüber inside-it.ch erklärt, wird in der Übergangsphase auf eine Authentifizierung per SuisseID ganz verzichtet. Zurzeit reiche ein Zugangscode mit Passwort. Für den späteren geplanten Rollout wird die SuisseID nur noch eine ergänzende ID-Möglichkeit sein. "Deren Verbreitung dürfte aber auch dann noch zu gering sein, als dass die ESTV sie zur allgemeinen Pflicht erklären kann," erklärt Furrer die geplante Doppelspurigkeit.
 
Der ESTV-Kommunikationsleiter sagt, dass die Verwaltung den Auftrag für das neue Portal an das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) gegeben hat. Der Auftrag wurde im März 2013 vergeben und soll im 4. Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein. Danach soll die Applikation aber noch weiter ausgebaut werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 750'000 Franken, sagt Furrer auf Anfrage. (lvb)

Unser Kommentar:

Ein negatives Signal
 
Seit das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) den elektronischen Identitätsnachweis Suisse ID im Mai 2010 auf den Markt gebracht hat, gibt es immer wieder Diskussionen über deren Sinn und vor allem Unsinn.
 
Die SuisseID ist nicht nur ein elektronischer Identitätsnachweis, sondern auch eine rechtsgültige elektronische Signatur und eine sichere Authentifizierung. Zum einen gab es lange Diskussionen um deren Sicherheit, zum anderen blieb die Verbreitung weit hinter den Erwartungen. Und das obwohl die SuisseID immer wieder gepusht wurde - beispielsweise mit Subventionen von 17 Millionen Franken, oder Anbieter die Karten reduziert oder kostenlos abgegeben haben. Bis Ende letztes Jahr waren 200'000 im Umlauf.
 
Dass sich nun sogar die ESTV von der SuisseID abwendet, ist kein gutes Omen für deren Überleben. Noch vor zweieinhalb Jahren hiess es noch, dass das Portal der ESTV eine wichtige Applikation für die SuisseID sein werde. Nun ist die ID für die Authentifizierung nur noch fakultativ - wirklich brauchen tut man sie nicht mehr. Das Misstrauensvotum der Steuerverwaltung ist ein starkes Zeichen. (Linda von Burg)