Wiederbelebungsversuche für die SuisseID

QuoVadis, Post und Swisscom legen ihre technische Grundlage für die SuisseID zusammen. Dies soll der elektronischen Signatur endlich den Durchbruch ermöglichen. Ausserdem öffnet sich der Trägerverein neu auch für Anwendungs-Anbieter.
 
Im Mai 2010 lanciert, kam die SuisseID bislang am Markt noch nicht wirklich an. Bis heute gibt es erst wenige Anwendungen dafür und manche haben der SuisseID gar nach anfänglicher Euphorie bereits wieder den Rücken gekehrt. Auch nach über drei Jahren müssen die Verantwortlichen zähneknirschend zugeben: "Die SuisseID hat die Erwartungen bis anhin nicht erfüllt." Das Zitat stammt von Roman Brunner (Foto). Er ist Präsident des Trägevereins SuisseID und eröffnete heute im Berner Stade de Suisse das erste SuisseID Provider Forum. Er blieb an diesem Nachmittag nicht der einzige, der auf vergangene Fehler hinwies. Trotzdem sprach er optimistisch von einem "halb vollen Glas". Die Verantwortlichen sind sich durchaus bewusst, dass es eine Wende braucht, um die SuisseID in absehbarer Zeit in der Bevölkerung zu verankern.
 
Gemeinsame Plattform
Diese Wende könnte mit der SuisseID Version 2.0 kommen, so die Hoffnung. Ab Montag werden nur noch SuisseIDs ausgeliefert, die auf der gleichen technischen Plattform (Hardware, Middleware, Software) basieren. Die wichtigste Komponente ist die Middleware der Post, die auf Technologie des deutschen Herstellers Cryptovision basiert. Wie Urs Fischer, Leiter Digital Trust Services bei der Post, im Gespräch mit inside-it.ch sagte, verwenden neu auch QuoVadis und Swisscom in ihren SuisseIDs die gleiche Middleware, wobei sich Swisscom nach wie vor ausschliesslich auf Firmenkunden konzentriert. Die gemeinsame Plattform soll für QuoVadis-Kunden keine Nachteile haben, sagte QuoVadis-CEO Carl Rosenast. Die Zertifikate laufen normal weiter und bei der Erneuerung kommt die neue Technologie zum Zug.
 
Ausserdem verwenden die drei Anbieter einen gemeinsamen Identity Provider Service (IdP), sie bieten einen übergreifenden Support an und haben ihre Prozesse für Erneuerung und Ersatz verbessert. Für den Nutzer soll dies eine Reihe von Vorteilen haben: Bewährte Technologie auf dem neuesten Stand, einfache Online-Verlängerung der Zertifikatslaufzeit, einfache Prozesse für die Bestellung einer Zweit- oder Ersatzkarte, einfacheres Login, da der SuisseID-Herausgeber nicht mehr ausgewählt werden muss.
 
In den letzten drei Jahren sorgte die unterschiedlichen Technologien für Verwirrung und Ärger. Ein Beispiel: Der St. Galler ERP-Software-Hersteller Abacus etwa akzeptierte nur die Technologie der Post, was für QuoVadis-Kunden, die Abacus-Software im Einsatz haben, nicht erfreulich sein dürfte. Solcherlei gehöre nun der Vergangenheit an, sagten Fischer und sein Kollege bei QuoVadis. Nicht von ungefähr lautete das Motto der Veranstaltung: "Die neue Generation. Mehr Nutzen. Weniger Ärger."
 
Internationale Anerkennung noch Zukunftsmusik
Über 200 Besucher pilgerten nach Bern, um mehr über die SuisseID zu erfahren. In den Vorträgen wurden zwar die Vorzüge herausgestrichen, doch Kritik blieb nicht aus. Ljerka Pfister, Leader Assurance Business Services bei PricewaterhouseCoopers (PWC), zeigte auf, wie die elektronische Unterschrift die Arbeit des Wirtschaftsprüfers erleichtert. Die Druckkosten seien massiv gesunken, weil die Berichte in der Regel nur noch elektronisch übermittelt werden. Man habe seit März 2012 800 SuisseIDs bei PWC ausgerollt und mittlerweile könne man damit 90 Prozent des Geschäfts mit Wirtschaftsprüfung abdecken.
 
Ein Problem sei, dass die SuisseID international nicht anerkannt sei, so Pfister. Dies könnte sich in einigen Jahren dank dem Projekt Stork 2.0 ändern, an dem die Schweiz beteiligt ist. Doch Jérôme Brugger von der Berner Fachhochschule sprach diesbezüglich noch von "Zukunftsmusik". Zurzeit läuft eine Machbarkeitsstudie, die im Frühjahr 2015 abgeschlossen werden soll.
 
Anwendungsanbieter können mitbestimmen
Ausserdem wurde heute bekannt, dass die Trägerschaft SuisseID eine radikale Öffnung des Vereins beabsichtigt. Neu sollen auch Anwendungsanbieter Vorstandsmitglieder werden können. Voraussichtlich werde der Vorstand aus Repräsentanten von je vier SuisseID- und Anwendungsanbietern sowie einem Vertreter des Bundes bestehen, hiess es. Die Verantwortlichen erhoffen sich dadurch eine breitere Unterstützung.
 
Die neue Zusammensetzung des Vorstandes soll auf die Generalversammlung des Vereins Trägerschaft SuisseID im Frühjahr 2014 durch die Wahl der anwesenden Mitglieder bestimmt werden. Ausserdem werden die Mitgliederbeiträge für den Trägerverein ab sofort gesenkt: Neu zahlen Fördermitglieder, die nach den neuen Statuten stimmberechtigt sein werden, für die Mitgliedschaft im Trägerverein pro Jahr 200 statt 500 Franken. Für neueintretende Mitglieder ist die Mitgliedschaft für 2013 kostenlos. (Maurizio Minetti)