IT-Beschaffung: Transparenz vs. Vertraulichkeit

Die gut besuchte IT-Beschaffungs-Konferenz bot zwar keine Patentlösung, zeigte aber, wo der Schuh drückt.
 
Es war heiss. Nicht nur wegen den Themen oder den Fragen, sondern wegen den eng aneinander gereihten 280 Teilnehmern in der vollen Aula der Universität Bern. Die diesjährige nationale Fachkonferenz zum Thema IT-Beschaffung war heute Mittwoch gut besucht. Auch die zweite Ausgabe wurde vom Informatik-Steuerungsorgan Bund (ISB), der Schweizerischen Informatikkonferenz (SIK), SwissICT und der Swiss Open Systems User Group (/ch/open) organisiert.
 
Die Konferenz stand unter den beiden Schlagwörtern "Agile IT-Beschaffung" und "Transparenz". Laut dem stellvertretenden Leiter im Bereich Logistik beim Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), Marco Fetz, ist eine Vergabe dann agil, wenn ein bestimmter (eher kleiner) Grundauftrag detailliert vergeben wird, der dann laufend im Dialog mit dem Anbieter mit sogenannten Optionen ausgebaut werden kann. Diese Optionen müssen immer wieder von neuem besprochen und definiert werden.
 
Damit kann ein Projekt zwar relativ flexibel gehandhabt werden, auch Nachträge habe man mehr oder weniger im Griff. Aber auch diese Variante habe ihre Tücken. Laut Fetz besteht damit eine grössere Wahrscheinlichkeit von strategischen Partnerschaften. Ausserdem ist die Kostenfrage völlig offen. Denn niemand weiss am Anfang des Projekts, wie viele Optionen es braucht, geschweige denn wie kostenintensiv diese sein werden. Daher werde diese Variante wohl gerade auf politischer Ebene bestimmt schwierig einzusetzen.
 
Aber nicht nur die Art der Vergabe, sondern auch das Volumen war ein Thema. Denn die WTO-Richtlinie, dass in der Informatik Aufträge in der Höhe von 230'000 Franken öffentlich ausgeschrieben werden müssen, wurde immer wieder kritisiert. Konkret wurde Mimacom-COO David Krebs in seinem Referat: "Den Schwellenwert nach WTO-Richtlinie bei 230'000 Franken anzusetzen, ist lächerlich! Die Mindestgrenze macht erst ab rund einer Million Franken Sinn."
 
Transparenz
Wie viel Transparenz verträgt die Branche? Eine geradezu philosophische Frage. Denn zu viel Transparenz führe zwangsweise zu Absprachen, so der Wirtschaftsprofessor Frederic Jenny von der Pariser ESSEC (École Supérieure des Sciences Économiques et Commerciales) Business School. Denn wenn alle von allen alles wissen, sei das unumgänglich.
 
Damit dieses Szenario aber nicht eintrete, gebe es in der Schweiz das Geschäftsgeheimnis, erklärte der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Hanspeter Thür. Klar, müsse man sich dann aber fragen, was genau in dieses Geschäftsgeheimnis fällt. Der Leiter der Eidgenössischen Finanzkontrolle Michel Huissoud würde es sogar begrüssen, wenn alle Ämter eine Liste veröffentlichen müssten, welche Unternehmen sie mit welchem Volumen unter Vertrag genommen haben – unabhängig von der WTO-Richtlinie. Solch eine Liste würden aber gerade Anbieter gar nicht begrüssen. (Linda von Burg)
 
Foto: Die Teilnehmer gönnen sich eine Pause.