Was die USA für Schnüffelei ausgeben

37 Milliarden Dollar für Datensammlung und -verarbeitung: Die Öffentlichkeit hat erstmals einen Einblick in das Budget der US-Geheimdienste.
 
Unter den Dokumenten, die Whistleblower Edward Snowden der Presse zugänglich gemacht hat, befindet sich auch ein detailliertes Budget der US-Geheimdienste, welches die 'Washington Post' am Freitag veröffentlicht hat. Laut der 'Post' ist dies das erste Mal, dass die Öffentlichkeit nicht nur Informationen über die Gesamtkosten erhält, sondern auch darüber, wie sich das Geld auf die einzelnen Geheimdienste verteilt und für welche Einsatzzwecke es vorgesehen ist.
 
Laut den Dokumenten der 'Post' sind im "schwarzen Budget" für 2013 insgesamt 52,6 Milliarden für die "Intelligence Community" vorgesehen, in der insgesamt 107'000 Leute arbeiten. 52,6 Milliarden Dollar entsprechen rund einem Zehntel des US-Verteidigungsbudgets beziehungsweise rund einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA.
 
Der teuerste Geheimdienst ist die CIA mit 14,7 Milliarden Dollar, gefolgt von der NSA mit 10,3 Milliarden und dem National Reconnaissance Office (NRO) mit 10,3 Milliarden Dollar. Das wenig bekannte NRO betreibt unter anderem das Satellitennetzwerk der Geheimdienste. Dass die CIA das meiste Geld erhält, kommt laut der 'Post' für viele überraschend. Allgemein hatte man in den USA bisher angenommen, dass die NSA das deutlich höhere Budget hat.
 
37 Milliarden für Daten
'Informationweek' hat das Budget nach IT-relevanten Positionen abgeklopft. Nach der Rechnung der US-Fachzeitschrift sind im Jahresbudget 2013 insgesamt über alle Geheimdienste zusammengerechnet rund 37 Milliarden für Datensammlung und -Verarbeitung vorgesehen. Rund 6 Milliarden Dollar sind für die Datenverarbeitung reserviert, wozu unter anderem das Filtern, Entschlüsseln, Übersetzen und Speichern von Daten gehört. Ebenfalls rund 6 Milliarden Dollar kostet die eigentliche Datenanalyse. Der Löwenanteil von 25 Milliarden Dollar geht allerdings schon zuvor für das Sammeln der Daten drauf. In diesem Budgetpunkt sind allerdings neben der Überwachung des Internets und anderen elektronischen Überwachungsmassnahmen auch der Betrieb der Satelliten und die Kosten für den Unterhalt persönlicher Quellen in aller Welt - also des klassischen Agentennetzwerks - inbegriffen.
 
Für die eigentliche IT-Infrastruktur, so analysiert 'Informationweek' weiter, sind im Budget 4,7 Milliarden Dollar vorgesehen, davon 2,7 Milliarden Dollar für die IT-Systeme und etwa zwei Milliarden für deren Betrieb.
 
Übrigens ist im Budget auch ein Posten namens "Consolidated Cryptologic Program" (CCP) enthalten. Das CCP hat ein Budget von 10,8 Milliarden Dollar und laut einer Grafik arbeiten dafür knapp 35'000 Leute. Dies hat 'Ars Technica' veranlasst zu berichten, dass die USA 35'000 Leute dafür beschäftige, um Verschlüsselungsprogramme zu knacken. Laut der 'Washington Post' und 'Informationweek' ist allerdings das gesamte NSA-Budget von 10,3 Milliarden Dollar im CCP-Budget enthalten. Für Grundlagenforschung im Bereich Entschlüsselung dürfte also nur ein kleiner Teil des Geldes und des Personals verwendet werden. Laut einer Auflistung der Ausgabeposten sind nur 4 Prozent des CCP-Budgets für Forschung und Technologie vorgesehen.
 
IT ist IT, auch bei den Schlapphüten
Interessant fanden wir auch einen Abschnitt in der Einleitung des von der 'Post' veröffentlichten Budgetdokuments. Demnach scheint die IT der US-Geheimdienste ganz ähnliche Sorgen und Ziele zu haben, wie die IT-Abteilungen ganz normaler Grossunternehmen. Unter anderem aufgrund des Spardrucks soll die IT-Infrastruktur effizienter genutzt werden als bisher. Zudem möchte man den Informationsaustausch unter den einzelnen Diensten fördern und die Sicherheit erhöhen.
 
Dafür soll die IT, die bisher von den diversen Geheimdiensten jeweils für sich betrieben wird, was zu vielen Doppelspurigkeiten führt, vermehrt für die ganze "Intelligence Community" zentralisiert werden. Aus dieser zentralen IT sollen dann Services erbracht werden, die von allen Geheimdiensten genützt werden können. Geprüft wird unter anderem die Möglichkeit, Daten aus allen Diensten in virtuellen Speichersystemen zusammenzuziehen und zu konsolidieren. (Hans Jörg Maron)