Android erobert Schweiz - iOS verliert an Attraktivität

Soeben ist die fünfte Ausgabe der jährlichen Studie zur Mediennutzung- und dem Informationsverhalten der Schweizer vorgelegt worden. Nicht nur nimmt die mobile Internetnutzung weiter zu, sondern auch die Marktverhältnisse verschieben sich: iOS von Apple verliert gegenüber Android an Bedeutung.
 
Aus der Online-Befragung von 2000 Personen im Alter zwischen 14 und 69 Jahren aus der Deutsch- und Westschweiz hat die Y&R Group Switzerland ihren neusten Media Use Index (MUI) kristallisiert. Heute, so die Verfasser der repräsentativen Studie, wäre "für die Mehrheit der Schweizer der mobile Zugang zu Medien und Informationen – immer und überall –selbstverständlich".
 
Bereits 70 Prozent der Schweizer verfügten in diesem Jahr über ein Smartphone, 31 Prozent besitzen persönlich ein Tablet und 27 Prozent der Schweizer haben beides, ist der Studie zu entnehmen. Wenig überraschend besitzen 79 Prozent der sogenannten Digital Natives (Menschen zwischen 14 und 29 Jahre) ein Smartphone, bei den Digital Immigrants (Menschen zwischen 30 und 54 Jahre) sind es 73 Prozent und bei den Silver Surfers (Menschen ab 55 Jahren) mit 52 Prozent auch schon mehr als die Hälfte. Und die Zuwachsraten sind hoch: Bei der jüngste Generation sind gegenüber dem Vorjahr 10 Prozent mehr Smartphones und 18 Prozent mehr Tablets im Einsatz, bei den Silver Surfers sind es plus 6 und plus 23 Prozent und bei den älteren Jahrgängen 21 respektive 44 Prozent mehr Smartphones respektive Tablets.
 
Apple verliert die Krone in der Schweiz
Bemerkenswert ist bei der hohen Endgeräte-Dichte, dass die einstige Vorherrschaft des Apple-Betriebssysteme iOS inzwischen von Android egalisiert wurde (siehe Grafik). Laut Index teilen sich die beiden Betriebssysteme heute den Markt zu gleichen Teilen auf. Angesichts der weltweiten Entwicklung vermuten die Studienverfasser zudem, dass Android bald auch in der Schweiz die Oberhand gewinnen werde. Einen zusätzlichen Indikator dafür liefere die Studie "Brand Asset Valuator", die ebenfalls von Y&R Group Switzerland kommt und resümiert, dass bei der jüngeren Generation die Kult-Marke Apple deutlich an Relevanz und Wertschätzung verloren habe.
 
Inwieweit es allerdings stimmt, dass die Schweiz weltweit an der Spitze bei der mobilen Internetnutzung liegt, wie die Studie behauptet, darf angesichts der gestern veröffentlichen Zahlen der Internationalen Fernmeldeunion zur globalen mobilen Breitbandnutzung, bezweifelt werden.
 
Gleichwohl zeigt der konkrete Blick des MUI auf die Schweizer Zahlen einmal mehr, wie sehr die Entwicklung mobiler Technologien sich in der Mediennutzung niederschlägt. Die gesamte Schweizer Medienlandschaft verändere sich grundlegend, heisst es in der Studie. So stagniert, allerdings auf hohem Niveau, seit Jahren der Konsum von TV (knapp 90 Prozent), Gratiszeitungen (rund 70 Prozent) und Internet am PC (86 Prozent), während Tageszeitungen (etwa 50 Prozent) und Radio(etwa 65 Prozent) immer weniger genutzt werden und in den letzten drei Jahren je gut 10 Prozent ihrer Konsumenten verloren haben. Der Konsum von Medien am Smartphone habe dagegen einen "kometenhaften" Aufstieg von rund 20 Prozent im Jahr 2010 auf heute fast 75 Prozent erlebt, wie es heisst. Und auch auf Tablets greifen bereits über 30 Prozent der Konsumenten für den Medienkonsum zu. Sie sind übrigens am beliebtesten bei Digital Immigrants.
 
Junge Generation konsumiert Medien fast nur digital
Interessanterweise, so die Studie weiter, schlage sich dieser Wandel aber nicht in den Werbebudgets nieder. Fliessen laut den Zahlen des Verbands der führenden Werbe-, Media- und Kommunikationsagenturen der Schweiz 2013 doch gerade mal zwei Prozent dieser Budgets in Mobile- und 15 Prozent in Online-Werbung. Dennoch ist gemäss MUI unzweifelhaft, dass das mobile Internet mittlerweile fest im Schweizer Alltag integriert ist: "Bereits 42 Prozent der Digital Natives sind laut eigener Aussage häufiger mit ihrem Smartphone online als mit einem Computer". Dies spiegle sich auch in der Wichtigkeit der Medien, denn die jüngste Generation nutzt vier der Top-5-Medien digital.
 
Aufschlussreich ist laut MUI auch das Phänomen der parallelen Mediennutzung: "Während der Fernseher läuft, wird gleichzeitig auf dem Sofa per Tablet oder Smartphone gesurft". Bei den Digital Natives seien es bereits 50 Prozent, die im Multitasking Modus auf die Medien zugreifen. Und "Frauen sind hierbei wesentlich aktiver als Männer". Fernsehen würde immer mehr zur Nebenbeschäftigung und zur "Geräuschtapete". Crossmedial verknüpfte Kampagnen, so der Index weiter, "welche die Zuschauer während Sendungen zu Interaktionen über den Second-Screen animieren, machen demnach immer mehr Sinn".
 
Schliesslich hat der MUI auch das eCommerce-Verhalten der Schweizer hinterfragt. Demnach wächst das Online-Shopping stetig, über alle Bereiche. Auch wenn das Einkaufsvolumen bei den Digital Natives verständlicherweise geringer ist, als bei meist besser Verdienenden der älteren Generationen. Die meisten Schweizer kaufen aber heute zumindest gelegentlich schon online ein. Wobei das 88 Prozent per PC machen, 67 Prozent per Tablet und bereits 55 Prozent übers Smartphone. Immer öfter werde dabei online recherchiert und dann auch online gekauft vor allem bei Büchern und Musik. Zwar online recherchiert aber offline gekauft werden vor allem Artikeln "mit höherem Involvement wie Uhren, Computern oder Unterhaltungselektronik". Bei Dienstleistungen ist die Bereitschaft zum Online-Abschluss meist noch höher, halten die Studienverfasser fest, "vor allem bei Fotoservices, Tickets und Ferien, immer häufiger auch bei Finanzdienstleistungen und Versicherungen". Die Top-10 der beliebtesten Onlineshops werden wie schon 2012 wieder von Ricardo, SBB und Ticketcorner angeführt, gefolgt von Amazon, iTunes, Zalando, Exlibris, Digitec, Nespresso und Ebookers. Die Jüngsten nutzen besonders gern Exlibris und Google Play, die mittlere Generation LeShop, Digitec und Amazon und die Silver Surfers kaufen bevorzugt bei SBB, Swiss und Nespresso online ein. (vri)