Google schleust immer mehr Gewinne auf die Bermudas

Die Tricks von vielen Konzernen, mit denen sie Steuern auf ausserhalb ihres Heimatlands erzielte Gewinne möglichst tief halten, haben in letzter Zeit in den USA und anderen Ländern für viele politische Diskussionen gesorgt. Die Tricks sind zwar legal, werden aber von manchen Politikern als unmoralisch bezeichnet. Im Zentrum dieser Diskussionen standen oft US-Konzerne, darunter auch Google. Laut einem Bericht der 'New York Times' hat Google seine Steuervermeidungspraktiken aufgrund der Kritik aber keineswegs reduziert.
 
Ganz im Gegenteil, so die 'Times'. Google schleuse sogar immer mehr Geld durch seine Version eines "Double Irish with a Dutch Sandwich"-Konstrukts. Letztes Jahr waren es laut dem Bericht 8,8 Milliarden Euro, rund ein Viertel mehr als vor einem und etwa doppelt so viel wie vor drei Jahren. Dieses hauptsächlich aus dem europäischen Geschäft stammende Geld landet letztendlich auf den Bermudas, wo es keine Gewinnsteuer gibt. Google schafft es dadurch, Milliarden an Steuern einzusparen. Laut der 'Times' beträgt die Gewinnsteuerrate des Internetriesen ausserhalb der USA so nur etwa 5 Prozent.
 
Die Geldverschiebung, die Google durchführt, wird im Prinzip ähnlich auch von manchen anderen IT-Konzernen praktiziert. "Double Irish" bedeutet, dass man Geschäfte über eine in Irland angesiedelte Tochter abwickelt. Dadurch werden schon einmal Umsatz oder Mehrwertsteuern in den Ländern, aus denen die Kunden stammen, vermieden. Gleichzeitig wird eine Tochter in einem Land angesiedelt, das keine Gewinnsteuer kennt. Dieser Tochter verkauft man die Rechte zur Verwertung des eigenen intellektuellen Kapitals ausserhalb der USA. Die irische Tochter zahlt dann einen grossen Teil ihrer Einnahmen als Lizenzgebühren an diese Tochter, und schmälert so ihren Gewinn und damit die Steuern, die darauf in Irland fällig würden. Das "Dutch Sandwich" bedeutet, dass das Geld erst noch über eine Zwischenstation in Holland läuft, was die Sache anscheinend noch weiter vereinfacht.
 
Während Poliker wie erwähnt solche Steuervermeidungstricks kritisieren, argumentieren Unternehmensverantwortliche, dass sie sozusagen dazu verpflichtet seien, sie anzuwenden. Im Interesse ihrer Aktionäre müssten sie jede legale Möglichkeit nützen, um Steuern einzusparen. Im Falle Googles beispielsweise dürfte der Aktienkurs deutlich sinken, wenn das Unternehmen seine Gewinne voll in den USA versteuern würde. (hjm)