Swisscom und die sichere Schweizer Cloud

Datengeheimnis statt Bankgeheimnis? Swisscom plant die Lancierung einer "sicheren Cloud", die sowohl Schweizer als auch ausländischen Kunden angeboten werden soll.
 
Das Schweizer Bankgeheimnis ist zwar beinahe abgeschafft, hat aber den Schweizer Banken jahrzehntelang beste Geschäfte verschafft. Könnte nun das "Schweizer Datengeheimnis" im Zuge der NSA-Schnüffelaffäre eine ähnliche Rolle für die hiesige ICT-Branche übernehmen und deren Geschäfte ankurbeln? Viele Branchenvertreter glauben daran, unter anderem auch Swisscom.
 
Wie die 'Handelszeitung' heute berichtet, überlegt sich Swisscom die Lancierung einer "sicheren Cloud". Deren grosser Pluspunkt soll der Standort Schweiz sein. "Das ist sicherlich eine Chance, die wir intensiv prüfen", wird dazu Swisscom-Grosskundenchef Christian Petit zitiert. Mit diesem sicheren Cloud-Service würde Swisscom neben Schweizer auch ausländische Kunden ansprechen wollen.
 
Die "Schweizer Cloud", so Petit, hätte eine sehr grosse Attraktivität für ausländische Unternehmen. Diese könnten sich darauf verlassen, dass ihre Daten hierzulande sicher wären: "Wir bieten Schweizer Sicherheit". Wann ein solches Swisscom-Angebot zustande kommen könnte, ist aber noch unklar. Laut Petit muss Swisscom erst in zusätzliche Infrastruktur investieren. (hjm)

Unser Kommentar:

Behauptung und Realität
Die Schweiz als globaler Datenschutzvorreiter und Land des Datengeheimnisses, das wäre doch eigentlich sehr schön. Wenn es so wäre, dann wären auch Zusatzeinkünfte für unsere ICT-Branche wohlverdient. Wenn es so wäre.
 
Swisscom und andere zukünftige Anbieter von Cloud-Services mit Schweizer Gütesiegel müssen aber wohl darauf hoffen, dass ihre Kunden nicht spitz kriegen, dass der Bundesrat gerade eine drastische Aufweichung des Datenschutzes im Internet durchdrücken will. Die geplante Revision des Bundesgesetzes zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (Büpf) würde Schweizer Behörden einige Möglichkeiten geben, die sogar die NSA neidisch machen könnten.
 
Und was ist, wenn US-Geheimdienstler freundliche Anfragen an ihre guten Kollegen vom Schweizer Geheimdienst NDB richten. Oder wenn die USA oder andere Staaten, wie im Falle des Bankgeheimnisses, ernsthaft Druck machen? Wie lange wahrt ein Unternehmen das Datengeheimnis, wenn gegen seine Manager internationale Haftbefehle - "Beihilfe zum Terrorismus" oder so - ausgestellt werden? Das wäre eine Überlegung wert, bevor man die sichere Schweizer Cloud anbietet.
 
Aber vielleicht genügt es ja, einfach stoisch und immer wieder zu behaupten, dass Daten hierzulande sicherer wären, als anderswo. Bisher hat das ganz gut funktioniert: Über die NSA-Schnüffeleien regt sich die ganze Schweiz auf. Die Büpf-Revision, oder dass der NDB nach dem Vorbild der Briten Glasfaserkabel anzapfen möchte, ist dagegen noch kaum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen. (Hans Jörg Maron)