Coop führt Filialsystem ein - von Ergon

Ausgerechnet der treue SAP-Kunde Coop bestellt das neue Filial-Frontend-System für seine Warenwirtschaft beim Zürcher "local hero" Ergon. Die Zürcher steigen damit in ein für sie völlig neues Marktsegment ein.
 
Coop hat eine neue Filial-Warenwirtschaftslösung eingeführt - und zwar von Ergon. Die Lösung wurde während drei Jahren entwickelt und in einer Pilotphase in 30 Testfilialen getestet. Nun ist das Rollout von "Ergo", wie das System heisst, abgeschlossen. "Ergo" dient als Frontend für die zentrale SAP-Warenwirtschaft von Coop und vor allem für SAP F & R (Forecasting & Replenishment). Letzteres dient zur Automatisierung der Warenbeschaffung. "Coop ist im automatischen Bestellwesen ein Vorreiter," so Alberto Kratter, Leiter Prozesse Warenwirtschaft beim Schweizer Detailhandelsriesen in einem kurzen Telefongespräch heute.
 
"Ergo" wird in 850 Coop Supermärkten, 75 Bau+Hobby Baumärkten, 35 Coop City Warenhäusern und 175 Coop Restaurants auf total ungefähr 6000 mobilen Geräten und PCs eingesetzt. Mit dem System werden Wareneingänge, Kassentransaktionen in "Fast Echtzeit" erfasst. Auch komplexe Vorgänge wie etwa die Registrierung von Diebstählen, die Verschiebung von Waren vom Supermarkt ins Restaurant oder die Verarbeitung von Fleisch werden erfasst und in die SAP-Warenwirtschaft verschoben.
 
"Es gab von SAP keine Lösung"
Coop ersetzt mit "Ergo" eine Standardlösung, mit der man nicht glücklich geworden ist, nämlich M-Retail von Solquest. M-Retail war 2005 eingeführt worden. Doch die Lösung musste massiv angepasst werden und machte Performanceprobleme. Kratter: "Sie kam technologisch schnell an Grenzen." Die deutsche Solquest wurde 2009 vom Konkurrenten GK Software übernommen.
 
Erstaunlich ist, dass der treue SAP-Kunde Coop sich nicht für eine Standard-Lösung aus Walldorf oder eines SAP-Partners entschieden hat, sondern ein neues Produkt in der Schweiz entwickeln liess. Doch als Coop vor über drei Jahren das Projekt für eine neue Filiallösung angepackt hat, gab es eben von SAP kein Produkt, dass die angeforderten Funktionalitäten abbilden konnte, so Kratter.
 
Wird Ergon zum ERP-Anbieter?
Mit dem Projekt "Ergo" hat sich der Zürcher Software-Hersteller Ergon in einen neuen Markt vorgewagt. Die Vertriebsrechte für die Filial-Warenwirtschaftslösung bleiben bei Ergon. Und Coop würde es durchaus begrüssen, wenn Ergon weitere Kunden für die Filial-Warenwirtschaft gewinnen könne. Kratter: "Wir unterstützen Ergon bei der Vermarktung der neuen Lösung und wären froh, die Firma weitere Kunden gewinnen könnte."
 
Die Konkurrenz ist allerdings eindrücklich. SAP selbst tritt unterdessen als Reseller für die Produktegruppe GK/Retail auf. Dazu gehört ein Lösungspaket um mobile Geräte end-to-end an die SAP-Warenwirtschaft anzubinden - also genau das, was "Ergo" (unter anderem) auch tut. (Christoph Hugenschmidt)
 
(Interessenbindung: Ergon ist ein wichtiger Partner und Kunde unseres Verlags. Und das seit neun Jahren!)