Googles Eric Schmidt nervt sich über NSA

Bisher haben Verantwortliche der grossen US-Internetunternehmen kaum Kritik an den ausufernden Datensammlungspraktiken der NSA geäussert, die durch Edward Snowdens Enthüllungen ans Licht gebracht wurden. Google-Chairman Eric Schmidt ist nun einer der ersten, der dies in einem Interview mit dem 'Wall Street Journal' getan hat.
 
Falls es stimmt, so sagte Schmidt beispielsweise, dass die NSA den Verkehr zwischen Google-Rechenzentren angezapft habe, so sei dies "ungeheuerlich". Auch sämtliche Telefondaten von 320 Millionen Bürgern zu speichern, um vielleicht 300 potentiell gefährliche Personen zu identifizieren, sei eine "sehr schlechte Politik". Beides, so Schmidt, sei zudem "möglicherweise illegal."
 
Die NSA hatte erst letzte Woche ein Statement herausgegeben, in dem Kritiker sozusagen als Nestbeschmutzer tituliert werden: Die NSA, so heisst es in dem Statement, handle strikt in Übereinstimmung mit den herrschenden Gesetzen, Vorschriften und Bestimmungen. Wer etwas anderes sage, schade nicht nur der NSA, sondern auch "der Nation und ihren Alliierten und Partnern."
 
Eric Schmidt fand dagegen, dass der Staat trotz aller Verlockungen durch die technologischen Möglichkeiten mehr tun sollte, um die Privatsphäre im Internet zu schützen. Sicher gebe es ein paar "böse Leute", aber man müsse nicht die Privatsphäre eines jeden einzelnen US-Bürgers verletzen, um sie zu finden.
 
Bemerkenswert sind Schmidts Äusserungen vor allem deshalb, weil er die Massendatensammlung in den USA - zumindest durch den Staat - grundsätzlich kritisiert, egal ob sie nun in der aktuellen Lage legal oder illegal ist. Zur Datenschnüffelei im Ausland oder bei nicht-US-Bürgern äusserte sich allerdings auch Schmidt, wie bisher die meisten prominenten NSA-Kritiker in den USA, gar nicht. (hjm)