Mobile Payment: Jeder für sich

Migros-Terminals sind nun NFC-fähig. Standardisierung für mobiles Bezahlen nicht in Sicht.
 
Ab heute ist das kontaktlose Bezahlen über NFC-Chip (Near Field Communication) an Migros-Kassen möglich. Alle 8'500 Zahlterminals in Migros-Filialen, M-Restaurants, Take Aways und Fachmärkten wurden umgerüstet, so eine Pressemitteilung. Kreditkarten-Inhaber mit integrierter Kontaktlos-Funktion (Paypass, Paywave oder Payexpress) sollen nun Einkäufe bis 40 Franken ohne Pin-Eingabe bezahlen können. Laut Migros-Mediensprecherin Monika Weibel sind alle künftigen Kreditkarten, unabhängig vom Anbieter, mit NFC-Technologie ausgerüstet.
 
Kontaktloses Bezahlen ist möglich bis zu einem Betrag von 40 Franken. Diese von den Kartenherausgebern definierte Limite diene der Sicherheit der KartenbesitzerInnen, heisst es in der Mitteilung. Bei einem höheren Betrag wird der persönliche Pin-Code verlangt. Als zusätzliche Sicherheit wurde eine Tageslimite von 120 Franken festgelegt. Des Weiteren kann auch nach einem Zufalls-Algorithmus eine Pin-Code-Eingabe verlangt werden.
 
Nun werden weitere moderne Zahlungsmöglichkeiten geprüft, heisst es in der Mitteilung. Damit meint der Detailhändler unter anderem das kontaktlose Bezahlen per Smartphone. Denn der grosse Konkurrent
Coop "strebt eine Lösung an, die weiter geht und sich nicht auf Kreditkarten beschränkt", hiess es vor kurzem in einer Stellungnahme gegenüber inside-it.ch. Coop entwickelt zusammen mit Swisscom eine App namens "Tapit", welche das Bezahlen per Handy ab 2014 ermöglichen soll.
 
NFC = mobiles Bezahlen?
Kontaktloses Bezahlen per NFC ist aber nicht die Spitze der Innovation. Wie kürzlich der CTO des Softwareherstellers AdNovum Tom Sprenger gegenüber inside-it.ch erklärte, ermöglicht diese Technologie lediglich die Kommunikation zwischen zwei Geräten. Zudem kann der Kunde damit nur das Eintippen des Pincodes sparen, und der Verkäufer muss gar das Terminal umrüsten - was teuer sei.
 
Für Sprenger ist deshalb klar: Mobiles Bezahlen bedeutet mehr als nur kontaktloses Bezahlen. Denn ein Mehrwert für Kunden sei erst dann gewährleistet, wenn man kein physisches Portmonnaie mehr herumtragen müsse.
 
Der Weg ist aber noch weit, eine Standard-Lösung ist noch nicht in Sicht. Es gibt laut Sprenger (zu) viele Akteure, die auf dem Markt für das mobile Bezahlen mitmischen wollen. So haben beispielsweise die NFC-fähigen Smartphones von Samsung künftig die Visa-Applikation "payWave" integriert. Gleichzeitig hat der Visa-Konkurrent Mastercard ein anderes System namens "MasterPass", womit man ebenfalls mit Smartphones bezahlen kann, aber indem man einen Strichcode scannt. Es ist aber auch NFC-fähig. Apple wiederum glaubt gar nicht an NFC-Technologie - iPhone-Nutzer können somit nicht mit Near Field Communication bezahlen. (Linda von Burg)