Schweizer haben im Web ein mulmiges Gefühl

Welches Vertrauen das Internet und seine diversen Anwendungen beim privaten Schweizer Nutzer noch geniessen, hat der Vergleichsdienst Comparis erfragt.
 
Angesichts der andauernden Geheimdienstschnüffeleien, NSA- und Snowden-Affäre, Kundendatenklau oder geknackten E-Banking-Konten hat Comparis die Schweizer Internetuser nach ihrem Vertrauen in Online-Dienste befragt. Ermittel wurde, wie sie sich beim Umgang mit privaten Nutzerdaten fühlen, welches subjektive Bedrohungsgefühl vor Datenmissbrauch besteht und ob man sich beim Surfen im Internet überwacht fühlt. Die Marktforscher von GfK hatten dazu eine repräsentative Umfrage unter 1216 Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren im ganzen Land durchgeführt. Das Ergebnis liegt nun im ersten Schweizer "Datenvertrauens-Index" vor. Auch Comparis wird kaum Überraschendes erwartet haben, hält allerdings fest, dass man hierzulande seine privaten Daten weniger durch Geheimdienste bedroht sieht als durch Kriminelle und soziale Netzwerke. Und tröstlich ist auch, dass nur einer von 100 Befragten keinerlei Schutzmassnahmen trifft.
 
Knapp ein Drittel der Schweizer fühlt sich bei der Eingabe persönlicher Daten im Internet unsicher. Auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht sicher) bis 10 (sehr sicher) gaben sie maximal eine 4 an. Der Gesamtindex-Wert erreichte immerhin 5,5 Punkte. Das mit Abstand geringste Vertrauen geniessen Soziale Netzwerke, teilt Comparis mit. Facebook, Twitter und Co. erreichten gerade einmal einen Durchschnitt von 3,4 Punkten. 71 Prozent der Schweizer misstrauen diesen Diensten grundsätzlich und 64 Prozent der Social-Media-Nutzer haben selbst in die von ihnen genutzten Dienste kein Vertrauen.
 
Suchmaschinen werden nur wenig besser bewertet (4,7 Punkte). Anders sieht es dagegen bei den E-Mail-Anbietern (6,1 Punkte), Versicherungen (6,2 Punkte) und Online-Shops (6,3 Punkte) aus, und noch mehr Vertrauen geniessen Behörden (7,3 Punkte) und Banken (7,6 Punkte). Wobei sieben von zehn Befragten Online-Banking nur von ihrem eigenen Computer, niemals von fremden Rechnern aus benutzen würden.
 
Vorsicht bei WLAN
Beim Umgang mit den Daten herrscht übrigens Skepsis vor: 45 Prozent der Befragten geben ihren Vor- und Nachnamen oder die persönliche E-Mail-Adresse "mit Bedenken" preis. Für 23 Prozent ist die Angabe der Handynummer absolut tabu, und weitere 25 Prozent geben sie nur "mit grossem Bedenken" weiter. 35 Prozent stellen keine persönlichen Fotos oder Videos online. Das öffentliche WLAN meiden 25 Prozent aus Angst vor fremden Zugriffen und 31 Prozent nutzen bewusst keine soziale Netzwerke und keine Online-Speicherdienste.
 
Interessant ist zudem, dass nach wie vor jeder Dritte vertrauliche Informationen auf dem klassischen Postweg statt per E-Mail verschickt. Verschlüsselungen sind aber offensichtlich noch wenig verbreitet. Nur jeder elfte Internetnutzer verschlüssle wichtige E-Mails, schreibt Comparis, und nur jeder zwölfte surft anonymisiert zum Beispiel via Proxy im Internet. "Viel überraschender ist", so der Vergleichsdienst, "dass nur 39 Prozent ihren Rechner durch eine zusätzliche Firewall schützen". Immerhin 69 Prozent der Umfrageteilnehmer bringen ihre Software regelmässig auf den neuesten Stand. (vri)