Wie lange leben eigentlich Harddisks?

Über die Lebensdauer von Harddisks gibt es, neben den Herstellerangaben über durchschnittliche Ausfallsraten, kaum unabhängige Studien. Vorhandenes Material, zum Beispiel von Google oder von der Carnegie Mellon Universität, ist zudem bereits einige Jahre alt.
 
Der US-Online-Backup-Provider Backblaze hat nun Zahlen über die Ausfälle der von ihm betriebenen Harddisks - gegenwärtig sind das etwas über 25'000 - veröffentlicht. Allerdings gilt es gleich vorwegzunehmen, dass Backblaze keine Enterprise-Harddisks verwendet, sondern HDDs, die für den Consumermarkt bestimmt sind. Diese sind laut den Herstellern eigentlich nicht für den 24x7-Betrieb ausgelegt. Die Daten werden bei Backblaze durch zusätzliche Softwareredundanz geschützt. Backblaze kauft auch keine Storage-Arrays der grossen Hersteller, sondern baut sich seine eigenen Storage-Pods. Und noch eine Einschränkung der Allgemeingültigkeit der Backblaze-Daten: Das Unternehmen wurde erst 2009 gegründet und hat deswegen keine Daten über HDDs, die älter als vier Jahre sind.
 
Badewanne
Die Daten von Backblaze sind trotzdem interessant. Theoretisch erwartet man bei technischen Geräten eine Ausfallkurve in "Badewannenform", mit Spitzen am Anfang und am Ende. Anfangs führen Fehler in der Herstellung dazu, dass die Geräte vermehrt ausfallen, dann folgt eine Phase, in der nur noch vergleichweise wenige zufällige Schäden auftreten. Danach führt der altersbedingte Verschleiss zu einem Wiederanstieg der Ausfälle. Wie sich zeigt, folgen die Harddisks bei Backblaze ungefähr dieser Kurve (siehe Abbildung). Allerdings sinkt die Ausfallsrate in der Phase der "Kinderkrankheiten" nur relativ langsam ab, und erreicht erst nach rund zwei Jahren ihr Minimum. Die Phase mit sehr wenigen Ausfällen danach ist wiederum recht kurz. Schon nach dem dritten Geburtstag steigt die Ausfallsrate stark an und liegt danach deutlich über der Rate in der "Infant-Mortality"-Phase.
 
Knick nach drei Jahren
Zusammengefasst liegt die Ausfallsrate der Disks, auf eine jährliche Ausfallsrate umgerechnet, bei Backblaze in den ersten anderthalb Jahren bei 5,1 Prozent. In den zweiten anderthalb Jahren beträgt sie nur noch 1,4 Prozent, ab dem vierten Lebensjahr schiesst sie aber auf 11,8 Prozent hoch.
 
Trotzdem, so betont Backblaze, kann man aufgrund dieser Zahlen hochrechnen, dass auch nach vier Jahren noch durchschnittlich mehr als 80 Prozent der vom Unternehmen rund um die Uhr betriebenen Consumer-Harddisks am Leben sein sollten. Wenn sich die erhöhte Ausfallsrate in etwa so fortsetzt, und nicht noch deutlich weiter steigt, sollten es nach sechs Jahren noch etwa fünfzig Prozent sein. (Hans Jörg Maron)