Orange befreit sich aus Swisscom-Zwangsehe

Orange tut sich für den Kapazitätsausbau seines Netzes mit UPC Cablecom zusammen. Gleichzeitig beklagt sich Orange über zu hohe Gebühren für den Netzausbau in entlegenen Gebieten.
 
Orange Schweiz will seine 4G-Antennenstandorte in Zukunft hauptsächlich mit dedizierten Glasfaseranschlüssen in sein Netzwerk einbinden. Dies einerseits, um die Kapazität weiter auszubauen, und andererseits, so der Telco schnippisch, um "gleichzeitig die Abhängigkeit von überteuerten und markant langsameren Kupfer-Mietleitungen des Ex-Monopolisten" zu reduzieren. Der anonyme "Ex-Monopolist" ist natürlich Swisscom.
 
Der Trend bei Telcos, Mobilfunkantennen über breitbandige Glasfasern anzuschliessen, nennt sich "Fibre-to-the-Antenna" (FTTA). Die Erschliessung der Antennen läuft dabei oft parallel zum Ausbau der "normalen" Glasfasernetze in Städten (Fibre-to-the-Home, FTTH). Der nationale Hauptpartner von Orange wird aber keiner der bekannten FTTH-Player sein, sondern UPC Cablecom. Weitere mögliche Partner auf lokaler Ebene seien alle Elektrizitäts- und Stadtwerke, die Glasfaserprojekte realisieren, so Orange - Swisscom wird dagegen als möglicher Partner nicht erwähnt.
 
Durch die Glasfaseranbindung wird insbesondere auch die Kapazität für das "Backhauling", den Transport von Daten von den Antennen ins Orange-Netz, erhöht. Laut UPC Cablecom ist der Auftrag von Orange der bisher grösste für seine Geschäftskundenabteilung UPC Cablecom Business. Die Orange-Antennen werden über die erst gerade lancierte Carrier-Ethernet-Plattform von Cablecom eingebunden. Die Bandbreiten für die einzelnen Antennen werden zwischen 1 und 10 Gbit/s betragen. Die ersten 70 Antennen sollen noch in diesem Jahr angeschlossen werden, bis in zwei Jahren sollen es über 1000 werden.
 
Die Kapazitätserhöhung soll später auch den Abonnenten des von UPC Cablecom schon lange geplanten Mobilfunkangebots zu Gute kommen. Es ist also anzunehmen, dass dies ein Teil der Bezahlung von UPC Cablecom sein wird. Die Realisierung eines Cablecom-Mobiltelefonieangebots, das in den letzten beiden Jahren auf Eis lag, scheint damit wieder näher zu rücken.
 
Insgesamt möchte Orange mit seinem 4G-Netz bis Ende dieses Jahres eine Abeckung von 71 Prozent der Schweizer Bevölkerung erreichen. Die maximale Downloadgeschwindigkeit für die Enduser soll schrittweise auf 150 Mbit/s erhöht werden. Die Gesamtinvestitionen betragen laut Orange im zweiten Halbjahr dieses Jahres rund 100 Millionen Franken.
 
Entlegene Gebiete: Wink mit den Zaunpfahl
Während Orange in den Städten seinen Netzausbau vorantreibt, warnt der Telco gleichzeitig davor, dass man einen Kapazitätsausbau für abgelegene Standorte, wo eine Anbindung der Antennen per Glas- oder Kupferkabel nicht möglich sei, in Zukunft jeweils "sehr genau evaluieren und gegebenenfalls sogar darauf verzichten" werde. Solche Standorte müsse man mit Richtfunk anbinden, und die Gebühren, die das Bundesamt für Kommunikation dafür verlange, seien in der Schweiz um ein "vielfaches höher" als in anderen Ländern. Zudem würde mit dem zunehmenden Datenverkehr auf einer solchen Anlage auch die Höhe der Gebühren steigen. (Hans Jörg Maron)