Fredys Internet Protocol: Gigabit!

Ab sofort schreibt Fredy Künzler, Gründer des Internet-Providers Init7 und SP-Parlamentarier in Winterthur, in loser Folge als Kolumnist für inside-it.ch und inside-channels.ch. In seiner ersten Kolumne analysiert der Telekom-Experte das Gigabit-Internetangebot von Swisscom.
 
Jetzt ist er also da: Der Gigabit-Internetanschluss für den Privatkunden. Interessanterweise wurde er nicht etwa von einem der wenigen verbliebenen Herausforderer lanciert, nein, der ehemalige Monopolist Swisscom diktiert, wer im hiesigen Telekommunikationsmarkt das Sagen hat.
 
Gigabit. Zwar nur als Package mit allem möglichen mehr oder minder nützlichem Beigemüse und obendrein für satte zweihundertfünfzig Franken pro Monat. Dazu erst noch nur in einer Richtung, nämlich runter. Rauf gehts nur mit 100Mbps, weil die Produktmanager von Swisscom das so wollen.
 
Swisscom-Produktmanager, ein anstrengender Job. Da musste man früher in erster Linie bremsen und verhindern. Erinnern Sie sich noch an die Zeit, wo ADSL 2400/200 das Höchste der Gefühle war? Das ist nur etwas mehr als zehn Jahre her. Es hätte schneller gehen können, aber die Produktmanager durften schon damals eine ganze Nation ausbremsen. Nochmals zehn Jahre früher, so um 1990 rum, gab es teure 9,6kBit-Modems mit PTT-Zertifikat. Oder schnellere, billigere, dafür ohne Zertifikat.
 
Wären nicht ein paar mutige Internet-Davids gewesen, die in den letzten Jahren den Goliath Swisscom immer mal wieder ein bisschen geärgert hätten, wir würden wohl noch heute mit ADSL 2400 rumgurken. Doch leider sind mittlerweile die meisten Davids ziemlich behäbig geworden, und der Goliath ist mächtiger als je zuvor. Sein leider viel zu früh verstorbener Coach Schloter hat ihm auch jahrelang das Credo eingeprügelt: "Wenn die Kannibalisierung unvermeidlich ist, dann kannibalisiert man sich am besten selber."
 
So kommt es, dass die ehemalige PTT als erster Anbieter Gigabit-Internet weit verbreitet einführt, teuer zwar, aber sozusagen konkurrenzlos. Die anderen sind entweder dazu technisch nicht in der Lage (UPC Cablecom), mit dem schlechten Image beschäftigt (Sunrise), zu fragmentiert und uneinig (EWZ und Co.), zu klein (alle anderen Provider) oder wissen gar nicht, was richtig schnelles Internet sein könnte (Orange).
 
Und der Regulator stellt nach fünfzehn Jahren Monopoly-Spiel (lies:
Telekom-Liberalisierung) ernüchtert fest, dass ausser Chur, Schaffhausen, Thun und Neuchâtel alle Felder samt Hotel auf Zürich-Paradeplatz im Swisscom-Besitz sind, wo man Runde für Runde 250 Stutz abdrückt. (Fredy Künzler)
 
Fredy Künzler (45) ist Gründer, CEO und Network-Architect des Business- und Wholesale-Internet-Providers Init7, Parlamentarier im grossen Gemeinderat in Winterthur und Papi eines vierjährigen "Digital Native". Er äussert als Kolumnist für inside-it.ch und inside-channels.ch seine persönliche Meinung.
 
Zeichnung: Ramona Stüssi