Peering: Init7 erringt Teilsieg gegen Swisscom

Winterthurer Provider will für Datenlieferung an Swisscom-Kunden nicht bezahlen. Gericht weist Beschwerde von Swisscom ab.
 
Der Winterthurer Internet Service Provider Init7 hat im Streit mit Swisscom einen Teilsieg errungen, wie die 'Schweiz am Sonntag' gestern berichtete. Der Hintergrund: Init7 hat Anfang Jahr bei der Eidgenössischen Kommunikationskommission ComCom ein Gesuch um Erlass einer Zugangsverfügung gegen Swisscom eingereicht. Im Streit geht es um das Peering, also den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Anbietern. Das Bundesverwaltungsgericht hat nun eine Beschwerde von Swisscom gegen eine vorsorgliche Massnahme vor wenigen Tagen abgewiesen.
 
Swisscom betont auf Anfrage von inside-it.ch, dass das Urteil lediglich die vorsorglichen Massnahmen für die Dauer des ComCom-Verfahrens betreffe. Einen materiellen Entscheid habe das Gericht nicht gefällt.
 
Umstrittenes Peering
Beim Peering wird meist das "Zero-Settlement"-Prinzip angewendet, wonach sich die Provider für das Zuschicken von Daten gegenseitig nichts verrechnen. Weil es immer mehr datenintensive Dienste wie etwa Youtube gibt, hat Swisscom vor einigen Jahren begonnen, von Providern Geld für zugeschickte Datenpakete zu verlangen. Kritiker werfen Swisscom die Verletzung des Verursacherprinzips vor, da es Swisscom-Kunden sind, welche die Daten anfordern.
 
Bis Mitte 2012 war das Peering mit Swisscom für Init7 auf Zero-Settlement-Basis. Dann jedoch kündigte Swisscom den Vertrag und Init7 hätte bezahlen müssen - tat dies jedoch nicht. "Wir können uns die geforderten Tarife nicht leisten", wird Init7-Chef Fredy Künzler in der 'Schweiz am Sonntag' zitiert. Der Firma drohe dadurch gar der Konkurs. Deshalb hat Init7 bei der ComCom ein Interkonnektionsbegehren mit der Forderung nach Zero-Settlement-Peering eingereicht.
 
Das Verfahren bei der ComCom wird in der Telekombranche genau beobachtet. Sollte die ComCom Init7 recht geben, könnten Swisscom Millionen entgehen und zahlreiche Provider müssten nicht mehr bezahlen. Das Hauptverfahren bei der ComCom läuft nun weiter. Bis zum Abschluss darf Swisscom Init7 keine Rechnung mehr stellen. (Maurizio Minetti)
 
Interessenbindung: Init7-CEO Fredy Künzler ist Kolumnist von inside-it.ch und inside-channels.ch.