Kampf um .ch: Hoster bringen sich in Position

Hoster gründen eine Genossenschaft, die sich als Registry für .ch bewerben wird. Verliert die Stiftung Switch den Auftrag als Registry per Ende März 2015?
 
Pikant: Die Geschäftsführerin der neuen Genossenschaft "Registrar Alliance", Nicole Beranek Zanon, war bis September 2012 die Leiterin des Rechtsteams der Stiftung Switch. Und genau dieser Stiftung macht die "Registrar Alliance" nun den Auftrag als zentrale Registrier-Instanz für die Domainnamen .ch streitig. Doch der Reihe nach.
 
Noch bis Ende März 2015 ist die Stiftung Switch vom Bakom (Bundesamt für Kommunikation) als Registry für Internet-Namen, die mit .ch enden, beauftragt. Switch betreibt also die für das Funktionieren des Internets so zentral wichtige DNS (Domain Name System) für Internet-Namen mit .ch (und künftig auch .swiss). Gleichzeitig ist Switch auch Registrar - man kann also bei Switch oder bei Switch-Partnern eine .ch-Internet-Adresse bestellen und kaufen.
 
Der Vertrag des Bakom mit Switch läuft noch bis Ende März 2015. Danach will der Bund die Verwaltung des Domain-Systems neu regeln. In Zukunft sollen Registry (Betrieb des DNS, Vergabe und Verwaltung der Namen, Kontakt zu ICANN) und Registrare (Verkauf der Namen, Brücke zwischen Webseiten-Betreibern und Registry) getrennt sein. Sollte also zum Beispiel die Stiftung Switch den Auftrag des Bakom als Registry wieder gewinnen, würde sie nicht mehr selbst Domainnamen verkaufen - wohl aber ihre Tochter Switchplus als eine von vielen Registraren.
 
Die Genossenschafter der Registrar Alliance, alles Firmen aus der Hoster-Szene, wollen nun aber Switch den Auftrag als Registry abjagen. Und haben dafür in der Person der Rechtsanwältin Nicole Beranek Zanon eine ausgewiesene Kennerin des Domain-Namen-Rechts, ihres ehemaligen Arbeitgebers Switch aber auch der Behörden geholt.
 
Geld oder "Governance"?
Switch machte 2012 gemäss Geschäftsbericht mit dem Domain-Geschäft einen Netto-Umsatz von 24 Millionen Franken. Heute aber sei das Geschäft als Registry "nicht kostendeckend", so Switch-Sprecher Marco D'Alessandro zu inside-it.ch. Wieso also streben die gewinnorientierten Hoster rund um die Rapperswiler Hostpoint danach, Switch das heute unrentable Geschäft als Registrar abzujagen?
 
"Unrentabel kann man das Registry-Geschäft nicht bezeichnen, da es der Registry gemäss den gesetzlichen Vorgaben erlaubt ist, einen angemessenen Gewinn zu erzielen. Es geht vielmehr darum, dass die allenfalls anfallenden Übergewinne auch der Internet-Community zu Gute kommen und damit letztendlich dem Domain-Namen-Endkunden" kommentiert Beranek.
 
"Switch macht den Auftrag als Registry technisch gut," so Beranek zu inside-it.ch. "Aber die Stiftung arbeitet zu wenig mit den Registraren zusammen. Wir wollen die administrativen und kommerziellen Bedingungen gestalten. Wer technisch dann die Aufgaben der Registry erfüllt, ist für uns noch offen." Es sei also durchaus vorstellbar, dass Switch die überlebenswichtige Infrastruktur weiter betreiben werde, auch wenn die Registrar Alliance den Auftrag als Registry gewinne, sagt Beranek. Es sei aber auch vorstellbar, dass die Infrastruktur einen Operator, der mehr als eine Registry betreibe, ausgelagert würde. Dieser könne dann effizienter arbeiten und tiefere Wholesalepreis anbieten, so Beranek weiter.
 
Dass das Bakom auf einen solchen Vorschlag eingehen wird, ist aber unwahrscheinlich. Die Registry-Infrastruktur ist wirtschaftlich und gesellschaftlich so wichtig, dass man wohl den Betrieb in der Schweiz durch eine Schweizer Gesellschaft vorschreiben wird.
 
Worum geht es also den in der Registrar Alliance zusammengeschlossenen Hostern und Internet-Dienstleistern wirklich? Wirklich nur um "Transparenz" und "Effizienz", wie es in einer Medienmitteilung von heute heisst? Besitzen die Registrare die Registry, so können sie die Konditionen für deren Kunden, nämlich sie selbst, festlegen.
 
Im Streit um Switchplus unterlegen
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Hoster und Switch in die Haare geraten. Im Sommer 2009 gründete die Stiftung Switch, die neben der Tätigkeit als Registry Internet-Dienstleistungen für Universitäten erbringt und mithin ein wichtiger Player in der Schweizer Internet-Welt ist, die Tochterfirma Switchplus, die Hosting-Dienstleistungen anbietet. Daran hatten private Hoster wie etwas Hostpoint, Green.ch, mhs oder Webland gar keine Freude. Sie gingen gegen Switchplus vor und brachen damit einen jahrelangen Rechtsstreit vom Zaum. Dieser endete erst im Sommer 2012 mit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, der der Stiftung in einem wichtigen Punkt recht gab.
 
Die meisten der damals streitfreudigen Hoster sind nun auch wieder bei der Genossenschaft Registrar Alliance dabei. Allerdings nicht alle. Switchplus ist unterdessen Kunde von Green.ch. Der RZ-Betreiber und Internet-Provider ist der prominente Abwesende in der Registrar Alliance. (Christoph Hugenschmidt)