Stellenabbau bei Bison

Der Surseer Software-Hersteller Bison will mehr Verkäufer und weniger Entwickler. 10 Mitarbeitenden wurde gekündigt, eine unbekannte Anzahl von Entwicklerstellen durch Nichtersetzung von Abgängen abgebaut. Massiv gestiegene Schulden bei Fenaco.
 
"Umbruch bei Bison sorgt für Verunsicherung" betitelt heute die 'Neue Luzerner Zeitung' (NLZ) einen Artikel, in dem über Stellenabbau beim Surseer Software-Hersteller Bison berichtet wird. Der Zeitung war zugetragen worden, Bison habe auf einen Schlag 50 Mitarbeitenden, darunter auch über 60-jährigen, gekündigt. Bison-CEO Rudolf Fehlmann (Foto Frontseite) dementierte dies sowohl gegenüber der 'NLZ' wie auch auf Anfrage von inside-it.ch. Bison habe "im vierten Quartal strukturell vereinzelt auch 10 Stellen abgebaut", schreibt Fehlmann in einer E-Mail an inside-it.ch. Zudem habe man "seit einem Jahr teilweise Abgänge nicht wiederbesetzt", so Fehlmann.
 
Bison befinde sich in einer Transformation vom Software-Entwickler zur Verkaufsorganisation, schreibt die 'NLZ'. "Jetzt geht es darum, diese Software am Markt zu verkaufen und Einführungsprojekte zu realisieren", sagte Fehlmann zu der Zeitung. Deshalb sei das Total der Stellen bei Bison stabil geblieben. Gemäss Fehlmann beschäftigt Bison - ohne die Partnerfirma Bison It Services - 450 Mitarbeitende.
 
"Bizarr"
Die Begründung für den Stellenabbau bei Bison erstaunt allerdings. Denn Business-Software wird per definitionem nie "fertig". Und je mehr aktive Kunden ein Software-Hersteller hat, desto höher werden die Anforderungen an die Weiterentwicklung der Lösungen, die Entwicklung von Umsystemen und Schnittstellen und die Anpassung an veränderte Bedingungen und Gesetze. So bauen Bison-Konkurrenten wie SAP, Infor oder Microsoft, aber auch "local heroes" wie Opacc oder Abacus, ihre Entwicklerkapazitäten laufend aus.
 
Dies sieht man auch bei Abacus so: "Die Anforderungen unserer Kunden wachsen mit der Digitalisierung der Gesellschaft. Je mehr Software ein Hersteller verkauft, desto mehr Ressourcen muss er für die Weiterentwicklung bereitstellen. Aus unserer Erfahrung werden für die Weiterentwicklung von ERP-Software mehr Kapazitäten benötigt, als für die erstmalige Fertigstellung. Ich finde die Begründung für den Abbau von Entwicklerkapazitäten bei Bison etwas bizarr und kreativ," sagt Claudio Hintermann, Mitgründer und CEO des St. Galler Standard-Software-Herstellers Abacus zu inside-it.ch.
 
Schuldenberg
Während Fehlmann von einer Transformation und dem Wandel vom Softwareentwickler zur Verkaufsorganisation spricht, könnte der Grund für den Abbau von Stellen woanders liegen. Denn Bison sitzt auf einem Schuldenberg. Gläubiger ist der Hauptkunde und Minderheitsaktionär Fenaco. Die riesige bäuerliche Genossenschaft weist im letzten veröffentlichten Geschäftsbericht "Darlehen an Equity-Beteiligungen" in der Höhe von über 327 Millionen Franken aus (siehe Screenshot oben). Dieser Betrag ist in nur einem Jahr um 44 Millionen Franken gestiegen (2011: 283 Millionen). Begründet wird dies auf Seite 82 des Geschäftsberichts so: "Die Zunahmen bei den Darlehen an Equity-Beteiligungen sowie bei den dazugehörigen Wertberichtigungen sind vor allem auf die Erhöhung der Darlehen an die Bison Schweiz AG im Zusammenhang mit deren Software-Entwicklung zurückzuführen."
 
Bison hat also allein 2012 über 40 Millionen Franken investiert oder - je nach Sichtweise - verbrannt. Die bäuerliche Genossenschaft selbst zieht von den 327 Millionen in den letzten weit über 10 Jahren angehäuften Darlehen an die Equity-Beteiligungen ganze 258 Millionen als Wertberichtigung ab.
 
Fehlmann sagte hingegen der 'NLZ', Bison habe 2013 "im operativen Geschäft schwarze Zahlen geschrieben". Der Umsatz bewege sich in den letzten Jahren um knapp 100 Millionen Franken und die Rendite liege bei vier bis sechs Prozent.
 
Bis 2021, also in nur sieben Jahren, soll Bison gemäss 'NLZ' das Darlehen an Fenaco zurückbezahlt haben. Die Zeitung schreibt von einem "tiefen dreistelligen" Betrag. Zieht man die Wertberichtigungen vom Wert der Darlehen an Beteiligungen ab, kommt man auf 69 Millionen, die Bison Ende 2012 maximal Fenaco schuldete. 2013 wären dann also noch über 30 Millionen Franken dazugekommen. (Christoph Hugenschmidt / Maurizio Minetti)
 
(Interessenbindung: Zwei der erwähnten Software-Hersteller, Abacus und Opacc, sind Werbekunden unseres Verlags)