Julius Bär vor dem IT-Entscheid

Evaluation eines neuen Software-Anbieters ist offenbar weit fortgeschritten. Avaloq in der Poleposition.
 
Die Zürcher Privatbank Julius Bär könnte demnächst bekannt geben, auf welche IT-Plattform sie künftig setzen wird. Die 'Handelszeitung' schreibt heute, dass von ursprünglich vier Anbietern auf einer ersten Shortlist nun offenbar noch zwei übriggeblieben seien. Die Bank selbst äussert sich nicht dazu.
 
Laut Insidern hätte der Entscheid eigentlich schon Ende 2013 fallen sollen. Ein Firmensprecher sagte damals gegenüber inside-it.ch, die Situation sei unverändert: CEO Boris Collardi hatte nämlich bereits im Oktober in einem Interview mit 'Finanz und Wirtschaft' gesagt, dass man sich in den nächsten zwölf Monaten entscheiden werde.
 
Avaloq oder...
Schon seit Jahren in der Poleposition befindet der Zürcher Softwarehersteller Avaloq. Julius Bär wollte schon mal auf Avaloq migrieren. Doch vor acht Jahren stoppte die Bank das geplante Vorhaben. Im September 2011 tauchten dann wieder Hinweise auf, dass Avaloq doch noch zum Zug kommen würde. Allerdings zeigte sich schnell, dass Julius Bär keine Eile hatte.
 
Julius Bär setzt seit Jahren auf eine IBM-basierende Hostlösung. Die Bank hat mit dieser Lösungen in den vergangenen Jahren mehrere Banken erfolgreich integriert. Die Skalierbarkeit war bislang also nicht das Problem. Es gehe vielmehr um Effizienz und neue Dienstleistungen für die Kunden, sagte Collardi im Oktober.
 
Einiges spricht heute für Avaloq: Der Softwarehersteller hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Internationalisierung vorangetrieben. Die Software ist mittlerweile in vielen Banken weltweit im Einsatz. Ausserdem verfügt Avaloq seit Mitte 2011 mit B-Source im Tessin auch über einen eigenen Banken-Dienstleister zur Auslagerung von Prozessen (Business Process Outsourcing, BPO). Hinzu kommt, dass Avaloq vor rund einem Jahr mit der deutschen Quirin Bank ein BPO-Joint-Venture gegründet hat - zu den Kunden gehört auch Julius Bär in Frankfurt.
 
Der andere Hersteller, der offenbar auf der Shortlist steht, könnte laut dem Bericht in der 'Handelszeitung' ein "IT-Lieferant aus dem Ausland" sein. Dabei könnte es sich um Tata Consultancy Services, Misys oder SunGard handeln. Ebenfalls noch nicht klar ist, ob die IT zentral aus der Schweiz betrieben wird, oder ob verschiedene "Hubs", etwa in Asien, entstehen sollen. (Maurizio Minetti)