Schweizer ICT-Branche exportiert wie wild

Erstmals liegen detaillierte Zahlen zum Exportvolumen der Schweizer ICT-Branche vor. ICT ist wichtiger als Käse und Schokolade.
 
Gemeinsam mit Ecolab hat der Verband ICTswitzerland das Export-Volumen der Branche analysiert. Dafür wurden die Zahlen des Jahres 2011 anhand der Mehrwertsteuer-Daten ausgewertet, die laut der Studie aufgrund des vorliegenden Datenmaterials sehr detailliert dargestellt werden können und eine "Quasi-Vollerhebung" darstelle. Für die Importe wäre das aufgrund der zurzeit noch bestehenden Datenbasis nicht seriös möglich, erklärt Ecolab-Studienleiter Nils Braun gegenüber inside-channels.ch.
 
Insgesamt wurden 16'637 ICT-Unternehmen erfasst, die pro Jahr mehr als 100'000 Franken Umsatz generieren und insgesamt rund 17 Prozent des Schweizer Export-Umsatzes ausmachen. Bei einem Gesamtaussenhandel der Schweiz von fast 300 Milliarden Franken belegt die ICT-Industrie mit 8,814 Milliarden Franken den 10. Platz nach den Branchen Chemie und Pharma (rund 75 Milliarden Franken); Instrumente, Uhren und Bijouterie (rund 41 Milliarden Franken); Maschinen und Elektronik (rund 37 Milliarden Franken); Transithandel (rund 20 Milliarden Franken); Technologische Dienste (rund 18 Milliarden Franken); Fremdenverkehr (rund 15,2 Milliarden Franken); Finanzdienste der Banken (rund 15,1 Milliarden Franken; Metalle und Metallwaren (rund 13 Milliarden Franken); Edelmetalle und Schmucksteine (rund 9 Milliarden Franken). Immerhin exportiert die Schweiz sechsmal mehr ICT als Käse und Schokolade zusammen, resümiert man bei ICTswitzerland.
 
Bei den ICT-Ausfuhren pro steuerpflichtigem Unternehmen dominiert klar der Hardware-Export mit rund 53 Prozent (4,736 Milliarden Franken). An zweiter Stelle liegt der ICT-Grosshandel, der 15 Prozent (1,371 Milliarden Franken) im Ausland umsetzte und der Telekom-Sektor folgt auf Rang drei mit knapp 11 Prozent (948 Millionen Franken). Der Rest verteilt sich mit 8 Prozent (698 Millionen Franken) auf die Programmierung, knapp 5 Prozent auf die IT-Beratung (424 Millionen Franken) und 1,3 Prozent (114 Millionen Franken) auf Cloud-Services. Rund 6 Prozent (523 Millionen Franken) entfallen laut der Studie auf "übrige IT-Dienstleistungen".
 
Hardware-Ausfuhren dominieren
Auffällig ist bei diesen Zahlen, dass nur 822 Unternehmen im Hardware- und 1549 Firmen im Grosshandel tätig sind. Dagegen aber 6545 Unternehmen in der IT-Beratung und 5315 in der Programmierung arbeiten. Und selbst die relativ geringen Exporte der Cloud-Services verteilen sich auf 797 Exporteure. Es sind also vergleichsweise wenige grosse Unternehmen, die den Hauptanteil der ICT-Ausfuhren bestimmen. Laut Studie handelt es sich bei der Teilbranche Hardware "gewissermassen um ein Veredelungsgeschäft", bei dem "bereits viele Vorleistungen aus dem Ausland bezogen werden". Ähnlich sehe es auch beim Grosshandel aus, erklärt Braun.
 
Die Zahlen ändern sich übrigens nur geringfügig, wenn man die exportierten Umsätze betrachtet. Auch hier ragt die Hardware mit einem Anteil von 46 Prozent hervor, allerdings liegt hier der Grosshandel (10 Prozent) knapp hinter der Telekom-Industrie (12 Prozent).
 
Interessant ist auch die regionale Verteilung der Schweizer ICT-Exporte. Während sich insgesamt Zürich und die Region um den Genfersee mehr als die Hälfte aller Exporte teilen, dominiert bei den Hardware-Ausfuhren klar die Westschweiz um Genf herum. Anders sieht es bei den IT-Dienstleistungen aus, wo die Ostschweiz noch vor Zürich steht. Bei den Telekom-Ausfuhren ist es neben Zürich die Zentralschweiz, die den Export prägen. Die gesamtwirtschaftlich dritte grosse Wirtschaftsregion Nordwestschweiz spielte in der exportorientierten ICT eine untergeordnete Rolle, hält die Studie zudem fest. Die gesamte Studie gibt es hier. (vri)