Office an Schweizer Schulen - Kritik aus der OSS-Ecke

Schweizer Datenschützer setzen sich durch: Microsoft passt Office 365 ans Schweizer Recht an.
 
Schweizer Schulen können künftig den Cloud-Dienst Office 365 von Microsoft einsetzen - er ist nach einer Anpassung datenschutzrechtlich unbedenklich. Die schweizerischen Datenschützer konnten bei Microsoft entsprechende Änderungen durchsetzen.
 
Wie Privatim, die Vereinigung der schweizerischen Datenschutzbeauftragten, heute Mittwoch mitteilte, stellen die neuen Vertragsbedingungen verschiedene für den Datenschutz wichtige Punkte sicher. Neu sind die Verantwortlichkeiten klar geregelt, es gibt Kontrollmöglichkeiten und es wird festgehalten, wo in Europa die Datenbearbeitung erfolgt. In Streitfällen gilt zudem Schweizer Recht und der Gerichtsstand liegt in der Schweiz. Die Anpassungen gelten laut Mitteilung speziell für den Schweizer Bildungsbereich.
 
Bisher war der Einsatz des Cloud-Dienstes aus datenschutzrechtlichen Gründen umstritten. So habe etwa nicht Schweizer Recht angewendet werden können, der Gerichtsstand wäre nicht die Schweiz, sondern Irland gewesen und war nicht klar, wo die Daten gespeichert würden.
 
Anpassungen auch bei Standard-Angebot möglich
Wie Privatim-Präsident Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich, zur Nachrichtenagentur 'sda' sagte, ist das Verhandlungsergebnis besonders bedeutend, weil jetzt klar ist, dass auch eine weltweit verbreitete Standardlösung angepasst werden kann. Man hoffe nun, dass auch andere Anbieter nachziehen. Bisher erfüllen etwa Dropbox oder Google Drive die datenschutzrechtlichen Anforderungen nicht.
 
Für Microsoft ist das natürlich ein Erfolg. "Wir freuen uns, dass wir mit Privatim eine Einigung erzielen konnten und damit als erster internationaler Cloud-Anbieter die Datenschutzanforderungen im Bildungsbereich erfüllen", so Microsoft-Sprecherin Barbara Josef gegenüber inside-it.ch. "Wir sind überzeugt, dass dies auch für die Bildungsinstitutionen eine positive Entwicklung ist, da wir diesen Office 365 Dienste und Student Advantage gratis zur Verfügung stellen."
 
Einmal Microsoft immer Microsoft?
Nicht zufrieden ist der Verein Swiss Open Systems User Group /ch/open. Der im Vorstand sitzende Matthias Stürmer meint gegenüber inside-it.ch: "Privatim schreibt, dass die Daten in Europa bleiben. Mit anderen Worten gelangen auch unter den angepassten Vertragsbedingungen Schülerdaten ins Ausland. Ich frage mich, wie viel Lobby-Aufwand Microsoft reingesteckt hat, um die Datenschützer mit einer derartig ungenügenden Lösung zu befriedigen."
 
Aber das eigentliche Problem sieht er woanders: "Schweizer Schüler werden mit Office 365 schon in jungen Jahren an die Microsoft-Produktpalette angewöhnt, damit sie später gar nicht anders können, als die gleichen Angebote weiterhin zu konsumieren. Das finden wir von der /ch/open sehr fragwürdig," so Stürmer weiter. (Linda von Burg)