IBMs Mainframes werden 50

Das "alte Eisen" ist weiterhin nicht aus der Enterprise-IT wegzudenken.
 
Heute vor genau 50 Jahren, am 7. April 1964, kündigte IBM eine damals revolutionäre neue Computerfamilie an: Das System/360. Dieses sollte der Urahn einer Dynastie von Computern werden, die bis heute eine wichtige Rolle in den Rechenzentren dieser Welt spielt. Auf das System/360 folgte 1970 das System/370 und 1990 das System/390. 10 Jahre danach kamen die eServer zSeries, die später in System z umbenannt wurden. Im August 2012 brachte IBM den jüngsten Spross der Familie, den zEnterprise EC12 auf den Markt, der immer noch auf der gleichen Basisarchitektur beruht, wie das System/360.
 
In den späten 50er- und frühen 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die ersten kommerziell verkauften Computer hauptsächlich für eine oder wenige Anwendungen entwickelt. Viele Kunden schrieben sogar eigene Betriebssysteme für ihre Grossrechner. Das System/360 basierte dagegen auf einem ganz neuen Konzept: Es war der erste eigentliche Allzweckcomputer der Welt. Auf der gleichen grundlegenden Hardware und dem gleichen Betriebssystem konnten unterschiedlichste Applikationen betrieben werden, von Raketensimulationen über Flugreservationssysteme bis zu Finanzbuchaltungen.
 
IBM hatte damals rund 5 Milliarden Dollar in die Entwicklung des System/360 gesteckt - das würde laut IBM heute einer Investition von 35 Millarden Dollar entsprechen. Die Investition hat sich für "Big Blue" gelohnt. Die Mainframes aus dem Hause IBM dominierten die Rechenzentren von Grossunternehmen bis in die 90er-Jahre. Und obwohl ihr Marktanteil in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich langsam abnahm, macht Big Blue immer noch gute Geschäfte damit. Laut IBM werden weiterhin fast alle Kreditkarten- und Bankomaten-Transaktionen weltweit im Hintergrund über Mainframes abgewickelt. Die zehn grössten Versicherungen der Welt, 92 der 100 grössten Banken, 23 der 25 grössten amerikanischen Handelsunternehmen und 71 Prozent der Fortune-500-Unternehmen haben gegenwärtig IBM-Mainframes im Einsatz.
 
IBM und die sieben Zwerge
Der Name "Mainframe" ist allerdings älter als die jetzige Mainframe-Familie von IBM, und IBM war nie der einzige Mainframe-Hersteller. Ursprünglich bezog sich der Ausdruck laut Wikipedia schlicht auf den Computerschrank, der die wichtigsten Komponenten eines Systems, die zentralen Prozessoren und die Speichermodule beherbergte. Später wurde "Mainframe" zu einer Bezeichnung für Computer, die auf grosse Leistungsfähigkeit und vor allem höchstmögliche Zuverlässigkeit ausgelegt sind. Mainframes werden daher traditionell vor allem dort eingesetzt, wo Applikationen unterbruchsfrei laufen müssen.
 
Obwohl es viele Konkurrenten gab, dominierte IBM den Mainframe-Markt von Anfang an. In den 60er-Jahren wurde die Szene der Hersteller oft scherzhaft als "IBM und die sieben Zwerge" bezeichnet. Heute hat IBM einen globalen Marktanteil von über 90 Prozent. Zu den Konkurrenten, die ebenfalls noch Mainframes herstellen, gehören unter anderem Hitachi, Fujitsu und NEC sowie Unisys und Bull. (hjm)
 
(Fotos, von oben: Ein System/360 Modell 30 aus den Jahr 1964 - damals das "Einsteigermodell". Darunter ein System/370 (1970), ein System/390 (1990), ein zSeries 990 (2003) und ein zEnterprise EC12 (2012).)