Massiv höhere Kosten: Basel-Land vergeigt PC-Migration

Basel-Land stösst bei der Migration auf Windows 7 auf "erhebliche, nicht vorhergesehene Schwierigkeiten". Pikant: Der Kanton muss jetzt bis Anfang 2015 weiterhin mit Windows XP und Office 2003 arbeiten. Dafür gibt es keine Security-Updates mehr.
 
Die Baselbieter Kantonsverwaltung musste heute in einer Mitteilung eine massive Kostenüberschreitung in einem laufenden IT-Projekt bekannt geben. Statt 7,9 Millionen Franken soll die Erneuerung der PC-Flotte 12,8 Millionen kosten. Es geht dabei um das Projekt "CliZ" (Client-Zusammenführung), das die Migration der stationären und mobilen Computer von Windows XP und Office 2003 auf Windows 7 und Office 2010 vorsieht. Zur Erinnerung: Seit dieser Woche werden Windows XP und Office 2003 von Microsoft nicht mehr mit Sicherheits-Updates beliefert. Der Kanton hat also auch abgesehen von der Projekt-Verzögerung ab sofort ein erhebliches Sicherheitsproblem.
 
Wie es auf Anfrage heisst, begann das Projekt Anfang 2012. Vorgesehen war, die Migration Ende 2013 abzuschliessen, also rechtzeitig vor dem Support-Ende. Nun geht man davon aus, dass die Migration erst im Februar 2015 abgeschlossen werden kann. Ob der Kanton bis dahin ein spezielles Support-Abkommen mit Microsoft abschliessen werde, sei noch nicht entschieden, so Generalsekretär Michael Bammatter.
 
Fehleinschätzung
Doch was lief bei der Migration schief? In der Mitteilung spricht der Kanton von "erheblichen, nicht vorhergesehenen Schwierigkeiten". Genannt werden vier Hauptgründe:
 
- Massiv höhere Aufwendungen intern und beim externen Umsetzungspartner wegen in grossem Ausmass fehlender Dokumentation der vorhandenen Hardware sowie der Software inkl. deren Installationsanleitungen und –mittel (z. B. Programm-CDs) in allen Direktionen bzw. Organisationseinheiten.
 
- Anstatt fünf Rollouts sind aus betrieblichen Gründen bei den Organisationseinheiten zehn Rollouts notwendig. Dies erhöht die Gesamtkosten beim externen Partner massiv wegen der Fixkosten pro Rollout (Planung, organisatorische Implementierung).
 
- Statt der vor Projektbeginn erhobenen und geplanten zirka 3'700 Geräte handelt es sich mittlerweile um zirka 4'100 Clients, welche migriert werden müssen.
 
- Es fand und findet eine parallele Umsetzung einer technischen Migration mit einer grossen organisatorischen Änderung statt, indem der Betrieb der Clients von den Direktionen in die Zentralen Informatikdienste ZID verlagert wird. Daneben sind weitere Projekte aus dem IT-Strategie-Umsetzungsprogramm 'Stratum2' im Gang.

Im Zusammenhang mit dem Projekt haben vier öffentliche Ausschreibungen stattgefunden. Gewonnen haben diese Freestar-Informatik für die Migration, SoftwareOne für die Microsoft-Lizenzen, UniQconsulting für die VMware-Lizenzen sowie Hewlett-Packard für die Thinclients. Der Kanton räumt ein, dass die ursprüngliche Einschätzung der organisatorischen Anforderungen und der Komplexität sowie der Mengengerüste, welche sich bei der Umsetzung dieses Grossprojekts ergeben, falsch war.
 
Nachtragskredit in der Höhe von 4,25 Millionen
Wäre das Grossprojekt von Anfang an richtig eingeschätzt worden, hätten laut Regierung schon zu Beginn Kosten im Umfang von 12,8 Millionen budgetiert werden müssen. Der Mehraufwand beträgt nun 4,9 Millionen Franken. Bislang hat der Kanton bereis 5,3 Millionen Franken für das Projekt aufgewendet.

Die Regierung beantragt nun dem Kantonsparlament einen Nachtragskredit von 4,25 Millionen Franken. Das Parlament wird voraussichtlich im Juni über den Kredit entscheiden. Für die Übergangszeit hat die Regierung einen dringlichen Ausgabenbeschluss über 650'000 Franken gefasst. (Maurizio Minetti)