Lehrplan 21: Informatik weder Fisch noch Vogel

Informatik ist gemäss dem überarbeiteten Lehrplan 21 nicht mehr nur eine überfachliche Kompetenz, aber auch nicht ein eigenständiges Fach. Neu soll ein für die Kantone verbindlicher Modullehrplan gelten.
 
Am vergangenen Freitag haben die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren über die Arbeiten am neuen Lehrplan 21 informiert. Das umfangreiche Werk gibt für alle Deutschschweizer Schüler die gleichen Lernziele vor. Die Konsultation dazu hatte im vergangenen Sommer begonnen - insgesamt sind über tausend Stellungnahmen eingegangen. Der Stellenwert der Informatik wurde dabei kontrovers beurteilt. Auf der einen Seite verlangen ICT-Verbände, dass der Informatik ein mehr Gewicht zugemessen wird: Algorithmen, Datenstrukturen und Programmieren sollen Teil der Volksschulbildung für alle werden. Die Gegenposition meint, dass dies die Volksschule überfordere. Solche Ziele sollten allenfalls als Freifach für stärkere Schüler angeboten werden. Nun gilt gemäss dem Fazit der Erziehungsdirektoren Informatik immerhin nicht mehr nur als überfachliche Kompetenz; ein eigentliches Fach Informatik wird es aber auch nicht geben.
 
Modullehrplan für ICT
Laut dem ursprünglichen Entwurf gehört das Thema ICT auf Volksschulstufe als überfachliche Kompetenz in den Lehrplan, zusammen mit Medien. Der Dachverband ICTswitzerland fordert allerdings einen erweiterten Fachbereich "Natur, Information, Mensch und Gesellschaft", der den gleichen zeitlichen Umfang haben soll wie der Bereich "Natur und Technik".
 
Die Teilbereiche "ICT und Medien" sowie "Berufliche Orientierung" sollen nun zwar nicht zu einem eigenen Fach aufgewertet werden, sie erhalten aber immerhin zeitlich begrenzte Module. Es sei Sache der einzelnen Kantone, für diese Module Zeitgefässe bereitzustellen und die Zuständigen zu bestimmen, schreiben die Erziehungsdirektoren. Dieser für die Kantone verbindliche Modullehrplan wird von der Arbeitsgruppe ICT und Medien erarbeitet. In der Konsultation hatten zahlreiche Fürsprecher fixe Wochenstunden gefordert. Die Anwendungskompetenzen (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation etc.) bleiben in den Fachbereichslehrplänen eingearbeitet.
 
"Besser als nichts"
Wie Alain Gut, der die Kommission Bildung bei ICTswitzerland präsidiert, erklärt, ist ICTswitzerland in der Arbeitsgruppe ICT und Medien nicht vertreten. Er sei aber gespannt auf die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe und hoffe sehr, "dass wir in diesem Prozess früher oder später noch einmal eingebunden werden." ICTswitzerland hatte nur im Rahmen der Konsultation mit einer kleinen Expertengruppe (deren Mitglieder teilweise Mitglieder der Arbeitsgruppen Lehrplan 21 waren) ein Positionspapier erstellt.
 
Ob der Entscheid für einen Modullehrplan gut oder schlecht sei, könne man noch nicht beurteilen, sagt Gut. "Es ist unter Umständen besser als nichts." Er zähle auf die Vernunft der Kantone, die Informatik genügend zu verankern.
 
Im September soll die überarbeitete Version des Lehrplans 21 vorliegen; voraussichtlich im Oktober soll der Lehrplan freigegeben werden. In den meisten Kantonen entscheidet danach der Bildungsrat oder die Kantonsregierung. (Maurizio Minetti)