Swisscom schnappt sich ZKB-Zahlungsverkehr

Die ZKB lagert den Zahlungsverkehr an Swisscom aus, ohne auf ein neues System migrieren zu müssen. 20 bis 30 Leute wechseln den Arbeitgeber.
 
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat ihren Outsourcing-Partner für die Auslagerung des Zahlungsverkehrs gefunden: Swisscom wird sich ab 2016 um die Zahlungsverkehrs-Plattform der grössten Schweizer Kantonalbank kümmern. Die Serviceverträge starten Mitte 2016 und laufen mindestens bis 2023. Neben dem Betrieb und Unterhalt der technischen Lösung übernimmt Swisscom für die ZKB auch bankfachliche Geschäftsprozesse. Insider schätzen, dass der Vertrag einen Wert von 10 bis 20 Millionen Franken hat. Im Rahmen des Deals wechseln 20 bis 30 Mitarbeitende von der ZKB zu Swisscom.
 
Kein Systemwechsel
Der Logistik-Chef der ZKB, Jürg Bühlmann, hatte kürzlich im Gespräch mit inside-it.ch in Bezug auf den Zahlungsverkehr gesagt: "Wir haben untersucht, ob wir Standard-Software einkaufen und selber betreiben wollen, sind aber zum Schluss gekommen, dass sich das nicht lohnt." Man wolle lediglich das Management und den Betrieb der bestehenden Applikationen auslagern.
 
Tatsächlich migriert die ZKB mit dem jetzigen Entscheid nicht auf eine neue Software, sondern zügelt sozusagen nur den "Load" zu Swisscom. Für den Zahlungsverkehr setzt die ZKB nach wie vor eine ältere Host-Lösung ein.
 
Die ZKB hatte in den letzten Jahren - nach dem geplatzten Deal mit der Waadtländer Kantonalbank - verschiedene Optionen für die IT geprüft. So wurde auch schon über eine mögliche Kooperation mit Raiffeisen nachgedacht.
 
Plattformübergreifende Dienstleistungen
Gelingt das Vorhaben, bedeutet der Deal für Swisscom eine weitere Evolution in Sachen Banking-IT. Der Outsourcer wird die Dienstleistungen für die ZKB nämlich auf seiner Verarbeitungsplattform anbieten, die auf Finnova basiert. Damit setzt der Outsourcer das um, was er letztes Jahr anlässlich der Übernahmen der verschiedenen Entris-Teile ankündigte: Es soll eine auf Finnova basierende Plattform aufgebaut werden, die auch von Banken benutzt werden kann, die sich von ihrer bestehenden Software nicht trennen wollen. Kundendaten müssen so nicht migriert werden.
 
Mit dieser Strategie hat Swisscom insbesondere Avaloq-Banken im Visier. Für diese möchte Swisscom wohl anfänglich den Zahlungsverkehr und später auch die Wertschriftenverwaltung auf Basis der Finnova-Plattform abwickeln. Swisscom will so dem Hauptkonkurrenten B-Source - ein Tochterunternehmen von Avaloq - das Wasser abgraben. (Maurizio Minetti)