Grosses Interesse an Digitalisierung des Bankings

Zweite Ausgabe der Konferenz Finance 2.0 lockt viele Besucher an.
 
Am Mittwoch fand im Aura in Zürich die zweite Ausgabe der Finance-2.0-Konferenz statt. Das grosse Interesse manifestierte sich in der überraschend hohen Teilnehmerzahl von rund 270 Personen. Das entspricht einer Steigerung von 30 Prozent im Vergleich zur Erstausgabe letztes Jahr. Entsprechend zufrieden waren die Veranstalter.
 
"Die zweite Ausgabe der Konferenz war sehr erfolgreich. Digitalisierung im Finanzbereich ist in der Schweiz angekommen, das zeigt allein auch der enorme Besucheransturm", sagte Rino Borini (links auf dem Foto), CEO von Financialmedia und Mitinitiator der Finance 2.0. Dieser Erfolg war auch auf Twitter bemerkbar, denn gemäss Sentifi.com war der Hashtag #finance20 ein "hot issue".
 
Nicht, dass die Digitalisierung noch nicht Einzug gehalten hätte. Schliesslich ist E-Banking mittlerweile weit verbreitet und kaum mehr wegzudenken. Auch im operationellen Bereich läuft heute ohne IT nur wenig. Die bestehenden Möglichkeiten sind aber noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Ohne eine gewisse Industrialisierung lassen sie sich aber nicht immer kosteneffizient umsetzen. Deshalb kaufen immer mehr Banken Produkte zu, die in das eigene Angebot integriert und den eigenen Kunden zur Verfügung gestellt werden. Dies reduziert die Grösse der benötigten Ressourcen, verringert das Risiko und beschleunigt Time-to-Market. Nebst den bekannten Finanzdienstleistern gibt es Player, die den etablierten Firmen mittels digitaler Services die Kunden abspenstig machen wollen. Das wird immer schwieriger, weil die etablierten Finanzdienstleister ihr digitales Angebot laufend ausbauen und teilweise nicht mehr auf das unerlässliche Grundangebot beschränkt sind. Massives Störpotential hat primär digitales Geld in Kombination mit digitaler Zahlung. In dem Bereich herrscht aber eine grosse Fragmentierung und fehlende Interoperabilität.
 
Digitalisierung von Prozessen und Absicherung von Prozessen sollten eine Einheit bilden. Wie Marc Paul Henauer, operativer Chef von Melani, als Erstredner in seinem Referat ausführte, ist die Sicherheit der IT nur ein Teilaspekt der Prozessabsicherung.
 
Dass ein solcher Event nicht ohne Cloud- und Social-Washing ablaufen kann, zeigte sich im Anschluss. Zuerst ging es um Social Investing, bevor Chris Skinner – um diese Zeit nach eigenen Angaben noch in nüchternem Zustand – seine Keynote hielt. In seiner Welt sieht die Zukunft rein wolkig und sozial aus. Glaubhaft darlegen konnte er es allerdings nicht.
 
Interessant war auch das Referat von Frank Reiner Nitschke, dem Leiter Neugeschäfte der NZZ, zum Thema "Was Banken von Medien lernen können … und was Medien besser machen müssen". Es zeigte mit Deutlichkeit, dass sich Geschäftsmodelle an die Marktentwicklung anpassen müssen, aber (fast) keiner weiss wie. Gratisangebote sind auf Dauer nicht tragbar, mittels Werbung kann nicht alles Notwendige finanziert werden und Qualität kostet. Es braucht also nicht nur Benutzer, sondern Endkunden, die bereit sind, etwas zu zahlen.
 
Innovation in FinTech und Visionen, wie das Banking 2020 aussieht, waren weitere Punkte, die in Referaten und Roundtabels abgedeckt wurden.
 
Zum Abschluss erfolgte die Vorstellung der Initiative "prototyping the future", die von Marc Bernegger, Rino Borini und Michael Stemmle ins Leben gerufen wurde und sich mittlerweile die Unterstützung der Initiative Asset Management von Swiss Banking und von Thomas Puschman von der Uni St.Gallen gesichert hat. Mehr dazu gibt es hier. (cj)