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Mittwoch, 22.06.2005
Cisco prescht in Middleware-Gefilde

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Cisco hat gekreist aber was hat der Riese geboren? Eine Maus oder eine revolutionäre Technologie?
 
Cisco hat gestern Abend unter dem Schlagwort "Application-Oriented-Networking" (AON) eine neue Technologie und die ersten dazugehörigen Produkte vorgestellt. Durch AON beherrscht das Netzwerk, wie es Cisco-CEO John Chambers (Bild rechts) ausdrückte, nun auch "die Sprache der Applikationen".
 
Vereinfacht gesagt, schauten sich die Switches und Router in einem Netzwerk bisher nur die Empfängeradresse eines Datenpaketes an, um es durchs Netzwerk zu schleusen. Durch AON sollen sie nun auch den Inhalt von (XML-)Nachrichten berücksichtigen, wie sie zum Beispiel von Business-Applikationen ausgetauscht werden. Diese können dadurch beschleunigt und regelbasiert verteilt werden. Das Netzwerk kann also feststellen "Aha, das ist eine Bestellung" und diese dann automatisch an die entsprechenden Applikationen, zum Beispiel die Lagerverwaltung, die Buchhaltung, das CRM usw. weiterleiten. Dabei können auch inhaltsbezogene Zusatzregeln angewendet werden, zum Beispiel "wenn die Bestellung über 1000 Franken ist, geht eine Kopie an…"
 
Vereinfachte Applikationsintegration
Eine weitere Möglichkeit ist es, Nachrichten auch über die Grenzen eines Unternehmensnetzwerkes und die eigene Firewall hinaus zu verfolgen. Unternehmen können sich zum Beispiel bestätigen lassen, dass ein Auftrag bei einem Handelspartner angekommen ist und feststellen, wie lange es dauert um eine Transaktion abzuwickeln.
 
Die Technologie, die auch "Layer 7-Switching" genannt wird, wurde bisher vor allem von Start-ups propagiert. Cisco selbst begann die Entwicklung von AON offiziell im Jahr 2002. Geleitet wurde sie von Taf Anthias, der früher für IBM Middleware entwickelte.
 
Gemäss Cisco kann AON die Sicherheit erhöhen und die Implementation und Integration von Applikationen sowie das Change Management vereinfachen und beschleunigen, da weniger massgeschneiderte Software geschrieben werden muss. Da die Technologie auf der Basis der bestehenden Netzwerkinfrastrukturen funktioniert – die AON-Software läuft auf Zusatzmodulen für bestehende Switches und Router – werden gemäss Cisco auch frühere Investitionen geschützt.
 
Cisco will mehr Einnahmen - wo werden sie herkommen?
Durch die Lancierung von AON, so beurteilen es Marktbeobachter, versucht Cisco, sich einen grösseren Teil vom Investitionskuchen für IT-Infrastruktur abzuschneiden. Auf den Spuren von Cisco, so heisst es ausserdem, dürften auch bald andere Netzwerk-Hardwarehersteller wie Juniper oder Nortel folgen und ähnliche Technologien lancieren.
 
Wie heftig die Technologie allerdings einschlagen wird, darüber scheiden sich die Geister. Skeptiker weisen darauf hin, dass die Vorteile davon, Middleware-Aufgaben auf Netzwerkkomponenten unterzubringen erst noch bewiesen werden müssten, und dass der Entwicklungsaufwand grösser sei, als Cisco dies behaupte, da Applikationen angepasst werden müssten.
 
Andere Experten wiederum sind wesentlich enthusiastischer. Roy Schulte, ein Analyst des Marktforschungsinstituts Gartner, meinte zum Beispiel gegenüber 'News.com': "Es gibt keinen Zweifel – dies wird die 'Spielregeln' verändern."
 
Konkurrenz für Middleware?
Eine weitere Frage ist, ob die Technologie einen ganz neuen Markt schafft, oder ob Cisco damit die etablierten Software- und Middleware-Hersteller konkurrenziert. Cisco selbst stellt sich auf der ersteren Standpunkt und betont, dass Softwarehersteller die Möglichkeiten von AON nutzen und darauf aufbauend eigene Lösungen entwickeln können. Ähnlich sehen das offenbar potentielle Konkurrenten wie IBM und SAP, die bei der Cisco-Präsentation als Partner auftraten und die Integration von AON in IBMs WebSphere respektive SAPs ESA (Enterprise Services Architecture) ankündigten.
 
Vielleicht taten sie das aber auch mit einem leichten Knirschen auf den Stockzähnen. DataPower ist einer der Start-ups, die bereits auf Layer 7-Switching setzen, und die nun ganz sicher die Konkurrenz von Cisco spüren werden. Eugene Kuznetsov, der CEO von DataPower, glaubt aber nicht, dass diese Start-ups die einzigen sind, die Marktanteile abgeben werden. Gegenüber 'News.com' erklärte er: "Hier geht es eindeutig darum, Dollars aus dem Software- und Middleware-Bereich abzuzweigen und in Ciscos Taschen umzuleiten. Wenn jemand sagt, dass AON niemals Middleware ersetzen wird, dann ist das reines Wunschdenken." (Hans Jörg Maron)
 
(Bild: Ein gut gelaunter Cisco-CEO John Chambers (rechts) und sein Chief Demonstration Officer Jim Grubb anlässlich der AON-Lancierung.)
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Kommentare:
Sten Gunterberg 23.06.2005 09:43 Nur "Heisse Luft" aus meiner Sicht, denn ein wichtiger Aspekt wird komplett vergessen: Verschlüsselung.
Firmen-Intranets werden immer mehr in Security-Zonen aufgeteilt und Traffic zwischen "high-security" Zonen wird verschüsselt. Dies gilt natürlich für vertrauliche Information sowieso. Die Netz-Infrastruktur hat also nicht genügend Info für diese (neue) Aufgabe, weil es den Layer 7 gar nicht sieht, unabhängig davon, welches Verschlüsselungs-Protokoll genutzt wird (IPsec, SSL usw.)
 
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