Umstrittener 80-Millionen-Deal: Bund zementiert Cisco-Monopol

Connectis gewinnt Netzwerk-Ausschreibung des Bundes und löst damit Swisscom ab. Nicht-Cisco-Partner hatten keine Chance.
 
Der Systemintegrator Connectis hat sich laut einem heute publizierten Zuschlag einen lukrativen Auftrag des Bundes geschnappt. In den nächsten Jahren wird der Cisco-Businesspartner für die Switches und Router der Bundesverwaltung zuständig sein. Zum Grundauftrag im Wert von über 16 Millionen Franken (ohne Mehrwertsteuer) gehören die Lieferung und Installation von rund 4'600 Switches, 760 Routern, 1'300 WLAN-Komponenten sowie Dienstleistungen ab sofort bis 2017.
 
Die Option ist mit einem Wert von über 64 Millionen Franken noch umfangreicher. Sie gilt für die Dauer von 2017 bis 2022 und umfasst die Lieferung und Installation von rund 11'500 Switches, 2'100 Routern, 2'000 WLAN-Komponenten sowie Dienstleistungen. Zählt man die Wartungsperiode und eine Verzugsreserve von zwei Jahren hinzu, werden Connectis und Cisco bis Ende 2031 den Bund beliefern.
 
Kritik aus der Branche
Die im November 2013 publizierte Ausschreibung des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation (BIT) hatte in der Netzwerk-Branche für Kopfschütteln gesorgt. Wie verschiedene Akteure gegenüber inside-it.ch sagen, hatten aufgrund der technischen Muss-Kriterien nur Dienstleister eine Chance, die auf Cisco-Equipment setzen. Mitbewerber wie Hewlett-Packard, Huawei oder Juniper und ihre Wiederverkäufer waren hingegen chancenlos.
 
Ein Vertreter eines Cisco-Mitbewerbers bringt es auf den Punkt: "Wir haben aufgrund der kaum vorhandenen Gewinnchancen davon abgesehen, zu offerieren. Wir konzentrieren unsere Energie auf diejenigen Projekte, wo wir auch realistische Chancen sehen."
 
Ein Insider erklärt, der Bund sei früher bei solchen Ausschreibungen ungeschickter gewesen: "Damals kopierte man praktisch das Datenblatt von Cisco." Heute mache es der Bund subtiler, "so dass man es nicht mehr nachweisen kann." Doch jedermann wisse, dass nur Cisco gewinnen könne. Wenn man nur ein Muss-Kriterium nicht erfülle, sei man aus dem Rennen. Es handle sich hierbei um eine "massgeschneiderte Ausschreibung".
 
Beim BIT heisst es dazu: "Die Eignungs- und Zuschlagskriterien für die genannte WTO-Ausschreibung, wie auch für andere WTOs, wurden nach rein fachlichen Gesichtspunkten bestimmt." Sie seien "keinesfalls auf einen bestimmten Anbieter zugeschnitten, sondern sollen Angebote von verschiedenen Herstellern ermöglichen, welche sodann ordnungsgemäss evaluiert werden."
 
Connectis statt Swisscom
Ein weiterer Kenner der Szene, der anonym bleiben will, findet aber: "Es entspricht der gängigen Praxis in der Verwaltung, dass die Kriterien so definiert werden, dass die Wahl sich eigentlich auf den Systemintegrator beschränkt und die Frage des Herstellers bereits verklausuliert in den Unterlagen festgeschrieben ist."
 
Tatsächlich fand nun zumindest ein Wettbewerb unter den Cisco-Partnern statt. Connectis konnte sich gegen den langjährigen Cisco-Lieferanten Swisscom durchsetzen. Bei Connectis knallen jetzt die Champagnerkorken. CEO Matthias Täubl sagt: "Das Mandat des Bundes stellt den grösste Kundengewinn in der Geschichte von Connectis dar und reflektiert die jahrelange, gute Zusammenarbeit mit Bundesbetrieben und bundesnahen Unternehmen. Auf der anderen Seite ist der Mandatsgewinn aber auch der Beweis für den Erfolg unserer strategischen Partnerschaft mit Cisco."
 
Von den Cisco-Mitbewerbern möchte niemand zitiert werden. Auch dass ein Hersteller oder ein Partner den Zuschlagsentscheid anfechten wird, ist unwahrscheinlich - zu gross ist die Angst, auf der inoffiziellen Blacklist des Bundes zu landen. (Maurizio Minetti)