Avaloq und Temenos Kopf an Kopf

Wer ist der grösste Schweizer Hersteller von Bankensoftware? Es kommt darauf an, wie man zählt.
 
Heute hat die Fachzeitschrift 'Computerworld' die jährliche Liste der umsatzstärksten ICT-Firmen in der Schweiz veröffentlicht. Die Methodik und die damit verbundene Unschärfe bleiben zwar umstritten, dennoch gewährt die Auflistung einen Einblick in die Branche.
 
Wir haben versucht, den Finanz-IT-Sektor anhand der Liste genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei muss beachtet werden, dass Banken verständlicherweise auf der Liste fehlen, doch Finanzinstitute wie die UBS, die CS oder auch PostFinance und Raiffeisen beschäftigen Tausende Informatiker und erbringen mit ihren (internen) Informatikdienstleistungen eine hohe Wertschöpfung. Ausserdem gibt es viele Softwarehersteller und Dienstleister wie Swisscom, SIX, Adnovum, Elca, Infosys Lodestone, SAP oder HP, die einen beträchtlichen Teil ihres Geschäfts im Banking-Sektor machen, jedoch meistens nicht darüber Auskunft geben, wie gross dieser Anteil ist. Deshalb soll hier die Aufmerksamkeit auf reine Hersteller von Bankensoftware gelegt werden.
 
Avaloq, Temenos und dann...
Mit einem Umsatz von 380 Millionen Franken figuriert der Zürcher Anbieter Avaloq an der Spitze dieser Liste (gesamthaft auf Platz 35). Dieses Jahr soll der Umsatz der Avaloq-Gruppe gar auf eine halbe Milliarde steigen. Zur Gruppe gehört auch der Tessiner BPO-Dienstleister B-Source, der gemäss 'Computerworld' 215 der 380 Millionen Franken Umsatz verantwortet.
 
Der Genfer Hersteller von Kernbankensoftware Temenos figuriert auf der Top-500-Liste lediglich auf Platz 221 mit einem Umsatz von 26,4 Millionen Franken. Temenos ist ein Spezialfall, weil der allergrösste Teil des Umsatz im Ausland erwirtschaftet wird. 'Computerworld' hat nur den Schweizer Anteil angerechnet. Gesamthaft setzte Temenos letztes Jahr weltweit umgerechnet rund 430 Millionen Franken um. Im Klartext bedeutet dies, dass sowohl Avaloq als auch Temenos auf ihre Weise den Markt für Bankensoftware anführen. Pikant: Die Rivalen befinden sich aktuell im Rennen um einen grossen Auftrag der Bank Julius Bär.
 
Auf der 'Computerworld'-Liste folgen danach zwei ausländische Anbieter: Der nächstgrössere Bankensoftware-Hersteller in der Schweiz ist nach Schätzungen von 'Computerworld' SunGard. Das US-Unternehmen soll letztes Jahr hierzulande 169 Millionen Franken umgesetzt haben. Tata Consultancy aus Indien folgt mit einem Umsatz von 130 Millionen Franken. Finnova aus Lenzburg soll knapp 100 Millionen Franken umgesetzt haben. ERI, der Hersteller des Bankensystems Olympic mit Hauptsitz in Genf, fehlt auf der Liste. inside-it.ch schätzt den weltweiten Umsatz von ERI auf rund 100 Millionen Franken.
 
Crealogix ist zwar nicht ausschliesslich im Banken-Sektor aktiv, doch bleibt das Unternehmen im Online-Banking-Bereich führend. Und das obwohl Avaloq zuletzt einige bedeutende E-Banking-Deals gewinnen konnte. Crealogix setze letztes Jahr insgesamt 49,3 Millionen Franken um. (mim)