Bund wegen GEVER wieder in der Kritik

Mit der heute publizierten Ausschreibung schliesse der Bund alternative Anbieter faktisch aus, kritisiert der Open-Source-Verband. Fabasoft, ABF Informatik, Optimal Systems und i-engineers erhalten gleichzeitig freihändige Vergaben in der Höhe von 77 Millionen Franken.
 
Der Bund hat heute die lange erwartete WTO-Ausschreibung zur Beschaffung neuer Geschäftsverwaltungssysteme (GEVER) veröffentlicht. Wie die Bundeskanzlei mitteilt, sollen künftig zwei standardisierte Produkte zum Einsatz kommen. Der Entscheid soll Mitte 2015 fallen. Die Einführung der neuen GEVER-Lösungen ist ab Mitte 2016 geplant.
 
Gleichzeitig hat das für Beschaffungen zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) per freihändiger Vergabe - also ohne Ausschreibung - Leistungen für die aktuell im Einsatz stehenden GEVER-Produkte beschafft. Dies sei nötig, weil bis zum Abschluss der WTO-Beschaffung und der anschliessenden Einführung der beiden Produkte der Betrieb sichergestellt sein müsse, teilt der Bund mit. Diese Übergangsfrist dauert bis Ende 2019.
 
Kritik
Dass der Bund wie in vielen anderen Bereichen nun auch bei GEVER eine Zwei-Produkte-Strategie anpeilt, wurde zuletzt Ende 2013 bekräftigt. Heute ist der österreichische Software-Anbieter Fabasoft der einzige zugelassene GEVER-Anbieter. Daneben gibt es "Sonderbewilligungen" für andere Anbieter. Das sind der Berliner Hersteller Optimal Systems (OS-ECM) sowie die beiden Schweizer Hersteller ABF Informatik aus Cham (Produkt: iGeko) und die Zürcher i-engineers (iEngine). Diese vier Anbieter haben nun entsprechend freihändige Aufträge erhalten. Der Auftrag für Fabasoft ist mehr als 40 Millionen Franken wert, ABF kommt auf über 24 Millionen Franken, während die Aufträge für Optimal Systems und i-engineers zwischen 3 und 4 Millionen wert sind. Rechnet man die Mehrwertsteuer hinzu, gibt der Bund insgesamt rund 77 Millionen Franken aus.
 
Die bevorstehende Ausschreibung hatte bereits im Vorfeld für Kritik gesorgt, etwa aus der Open-Source-Szene. Diese kritisiert nun insbesondere das Eignungskriterium 21, wonach der Anbieter nachweisen muss, dass er das angebotene GEVER-Produkt bei mindestens zwei Unternehmen oder Organisationen mit mindestens je 2'000 registrierten Benutzern erfolgreich implementiert hat und es dort seit mehr als 12 Monaten produktiv im Einsatz steht. Kantone, die auf Open-Source-Lösungen setzen, haben weniger registrierte Benutzer.
 
Matthias Stürmer vom Verein ch/open bezeichnet die Ausschreibung und die freihändigen Vergaben deshalb als "skandalös". Der Wettbewerb werde so verhindert, alternative Anbieter würden faktisch ausgeschlossen.
 
Ein anderer Kenner sagt: "Neue Anbieter haben kaum eine Chance, weil ihnen das Know-how beim Kunden fehlt." Dieser glaubt allerdings, dass Open Source für ein GEVER in diesem Umfang wohl nicht geeignet sei. (mim)