Softwareentwickler und -analytiker braucht die Schweiz

Die Frage bleibt, warum es weiterhin viele Personen gibt, die in der Informatik keinen Job finden.
 
Ein Thema, das die Emotionen immer wieder in Wallung bringt: Der (angebliche?) IT-Fachkräftemangel in der Schweiz. Denn auf der einen Seite heisst es immer wieder, dass InformatikerInnen fehlen. Auf der anderen Seite aber stehen InformatikerInnen, die keinen Job finden. In diese Diskussion will sich der Schweizer Dachverband ICTswitzerland nun einbringen. "Wir wollen wissen, woher diese verschiedenen Wahrnehmungen kommen," sagt Andreas Kaelin, Geschäftsführer ICTswitzerland, an einer Pressekonferenz heute in Zürich. Dieser Graben soll künftig analysiert und wenn möglich behoben werden, so das Ziel des Dachverbands.
 
Grund für die Pressekonferenz war aber die neuste Studie zur ICT-Fachkräftesituation. Darin heisst es, dass es bis 2022 rund 87'000 zusätzliche ICT-Fachkräfte braucht. Wie bereits bekannt war, können in der Schweiz rund 34'000 Fachleute ausgebildet werden, und 23'000 aus dem Ausland rekrutiert werden. Demnach sollten in den acht Jahren zusätzlich rund 30'000 Personen ausgebildet werden.
 
Aber welche Kenntnisse sind denn überhaupt gefragt? Laut der Studie braucht es in den nächsten acht Jahren zusätzlich 11'600 Softwareentwickler und -analytiker Software. In dieser Berufsgruppe besteht der grösste Ausbildungsbedarf - das sind 39 Prozent des gesamten zusätzlichen Bedarfs. Auch an ICT-Führungskräften wird es fehlen (ein Viertel des gesamten zusätzlichen Bildungsbedarfs). Laut der Studie sei diese Tatsache aber damit zu begründen, dass es keine formale Ausbildung gibt, um "ICT-Führungskraft" zu werden. Vielmehr müssen die Führungskäfte aus erfahrenem Fachpersonal rekrutiert werden.
 
Und was ist nun die Lösung? "Lehrstellen. Unternehmen müssen mehr Lehrstellen für junge Erwachsene schaffen," so der Tenor dieses Morgens. Unternehmen können nicht nur nach Fachkräften rufen, aber nichts dagegen unternehmen, führt Kaelin aus. "Aber ohne Ausländer wird es nicht gehen. Sonst müssten wir ab heute doppelt so viele Ausbildungsplätze anbieten können - das ist nicht realistisch", so Nils Braun-Dubler, geschäftsleitender Partner bei Econlab. (Linda von Burg)