Big Data bei der Polizei

Polizei kann mit Prognose-Software Verbrechen vorhersehen. Die Methoden sind nicht unumstritten.
 
Unter dem Begriff "Predictive Policing" setzt die Stadtpolizei Zürich seit kurzem als nach eigenen Angaben erste grössere Stadt Europas auf die Prognose-Software "Precogs", um im Tagesbetrieb Verbrechen vorhersagen zu können. Seit einigen Wochen sei das auch in Basel der Fall, schreibt der Newsdienst 'Watson'. In Zürich habe man im Juli den Einsatz offiziell beschlossen, wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Stadtpolizei mit dem im deutschen Oberhausen ansässigen Hersteller, dem Institut für musterbasierte Prognosetechnik (Ifmpt), heisst.
 
Inzwischen gerät das auf Big-Data-Analytics basierende Vorhersageprogramm immer mehr in die Diskussion, wie 'Watson' feststellt. So sei beispielsweise Precogs bisher weder dem Datenschützer des Bundes noch jenen der Städte vorgelegt worden. Damit ist noch unklar, ob die versprochene Anonymisierung der genutzt Daten immer gewährleistet sei. Denn bei Erfassen, Speichern und Auswerten grosser Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen, die dann durch das fachmännische Verknüpfen der Informationen neue Erkenntnisse liefert, könne es zu De-Anonymisierung kommen, wie sich der oberste Schweizer Datenschützer, Hanspeter Thür, zitieren lässt. Solche und weitere Fragen werden aktuell aber weder in Basel noch bei der Stadtpolizei Zürich beantwortet, wobei Zürich auf eine Sendung des Schweizer Fernsehens verweist, die heute Abend um 21 Uhr laufen wird.
 
Precogs zielt zwar darauf, die Kriminalität zu senken, doch wird das derzeitige Vorgehen bei der Einführung als zu wenig durchschaubar kritisiert. Welche Auswirkungen es auf den braven Bürger hat und wer die vorsorgende Kontrolle kontrolliert, ist offen. In Bayern hat deshalb unter anderen auch die Piratenpartei Transparenz eingefordert zu einem Pilotprojekt, das derzeit in München läuft. In Zürich ist noch eine in die gleiche Richtung zielende Anfrage an den Gemeinderat von Anfang September hängig. Detailliert nimmt derzeit nur der Entwickler von Precobs, Thomas Schweer, auf 'Watson' Stellung zu dem Thema. (vri)