Warum die Vereinbarung zwischen Microsoft und den Schweizer Schulen ein Tropfen auf den heissen Stein ist

Nach der Einigung zwischen den Schulen, Microsoft und den Schweizer Datenschützern stellt sich die Frage, wann auch die anderen grossen Cloud-Anbieter mitziehen.
 
Kürzlich hat Educa - die nationale Anlaufstelle für Fragen rund um ICT in der Bildung - den neuen Rahmenvertrag mit Microsoft unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht vor, dass Schweizer Schulen die Cloud-basierte Software Office 365 von Microsoft gratis einsetzen können. Zuvor hatte es Bedenken seitens der Schweizer Datenschützer gegeben, doch im März konnten sich die Parteien einigen. Unter anderem wird jetzt festgehalten, wo in Europa die Datenbearbeitung erfolgt. In Streitfällen gilt zudem Schweizer Recht und der Gerichtsstand liegt in der Schweiz. Den Rahmenvertrag für universitäre Hochschulen mit Microsoft hatte die Stiftung Switch bereits Mitte Jahr unterschrieben.
 
Und die anderen?
Microsoft ist der erste internationale Cloud-Anbieter, der seine Nutzungsbedingungen für Schweizer Schulen anpasst. Der Rahmenvertrag entspricht den von der Vereinigung der kantonalen Datenschützer "Privatim" definierten Rahmenbedingungen für den Einsatz von Cloud Computing im Schulbereich. Beat Döbeli Honegger, Professor am Institut für Medien und Schule der Pädagogischen Hochschule Schwyz, beschäftigt sich intensiv mit dem Einsatz von IT an Schulen. Er bezeichnet die aktuelle Rahmenvereinbarung gegenüber inside-it.ch als Schritt in die richtige Richtung. "Sie zeigt, dass Schweizer Datenschützer durchaus ihren Einfluss geltend machen können, auch bei internationalen Unternehmen." Die Vereinbarung sei allerdings eher ein Tropfen auf den heissen Stein. Es müsste seiner Meinung nach noch mehr entsprechende Verträge mit anderen Anbietern wie Apple, Google, Facebook oder Amazon geben. "Ausserdem müssten die Datenschutzvereinbarungen nicht nur wie im vorliegenden Fall die öffentlich-rechtliche Nutzung umfassen, sondern auch die an Schulen immer stärker zunehmenden Bring-your-own-Device-Modelle."
 
Tatsächlich bemühen sich die Schweizer Datenschützer um solche Vereinbarungen - bislang aber ohne Erfolg. "Auch die übrigen grossen Cloud-Anbieter müssten solche Vertragsergänzungen akzeptieren, damit ihre Lösungen datenschutzkonform eingesetzt werden könnten", sagt Privatim-Präsident Bruno Baeriswyl. Man fordere auch die anderen Anbieter auf, Schritte in die gleich Richtung zu unternehmen. "Bisher sind diese aber untätig geblieben", so Baeriswyl zu inside-it.ch.
 
Microsoft-Paket für Schulen attraktiv
Derweil reibt sich Microsoft die Hände, denn Tausende Schweizer Schulen erhalten ein attraktives Angebot, das sie in den meisten Fällen wohl auch nutzen werden. Lehrpersonen und Lernende erhalten zum Beispiel 50 GB "Exchange Online"-Mail-Speicher, Instant Messaging sowie die Möglichkeit, mit Lync Audio- und Videokonferenzen abzuhalten. Der im Paket ebenfalls enthaltene "OneDrive for Business"-Online-Speicher umfasst 1TB Speichervolumen und wird jedem Nutzer kostenlos zur Verfügung gestellt.
 
Ferner gibt Microsoft Schulen, die Office über einen Volumenlizenzvertrag lizensiert haben, die Möglichkeit, Office 365 ProPlus für ihre Schüler - und voraussichtlich ab 1. Dezember 2014 auch Lehrkräfte und Angestellten - kostenlos zum Download anzubieten. Schüler und Angestellte berechtigter Institutionen laden sich mit Office 365 ProPlus das volle Office-Paket aus Office 365 herunter. Damit stehen ihnen unter anderem Word, Excel und PowerPoint lokal und offline zur Verfügung. Sie können Office 365 ProPlus auf bis zu fünf Computer oder Macs installieren und als Office Mobile Version zusätzlich auf bis zu fünf Tablets oder iPads sowie fünf Smartphones aktivieren und damit sowohl privat als auch für die Schule arbeiten. Dadurch wird die kostenlose Nutzung des Office-Paketes für potenziell bis zu 1,5 Millionen Schüler und Studenten sowie 215'000 Angestellte von Bildungsinstitutionen möglich. Microsoft rechnet vor, dass sich dadurch für Schweizer Haushalte "jährliche Einsparungen von potenziell über 130 Millionen Franken" ergeben. Das Office 365 ProPlus Angebot für Lehrpersonen und Angestellte wird voraussichtlich Ende 2014 verfügbar sein. Das Office 365 ProPlus Angebot für Schüler und Studierende (bisher "Student Advantage") steht bereits heute zur Verfügung. (Maurizio Minetti)