Freie TV-Frequenzen für WLAN nutzen

Frei werdende Fernsehkanäle sollten künftig für drahtlose Netzwerke zur Datenübertragung für alle genutzt werden. Dies schlagen ein deutscher Soziologe und ein Netztechnik-Experte im Fachblatt 'Telecommunications Policy' vor.

In ihrer Studie regen Arnd Weber vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Jens Elsner von der Munich Innovation Group an, bestimmte TV-Frequenzen als Allgemeingut für ausgedehnte WLAN-Netze zu nutzen, anstatt sie an Mobilfunk- Anbieter zu versteigern.

Den WLAN-Netzen sind gewöhnlich hohe Frequenzbereiche ab 2 Gigahertz zugewiesen. Dort ist die Reichweite allerdings meist auf die Räume eines Hauses begrenzt. Niedrigere TV-Frequenzen, etwa im sogenannten UHF-Band von 470 bis 790 Megahertz, wurden bisher vor allem für die Übertragung von TV-Signalen genutzt. Mit dem Trend zum Internet-Fernsehen (IPTC) werden sie aber zunehmend weniger benötigt.
Signal durchdringt Mauern
Die niedrigeren Frequenzen hätten für WLAN den Vorteil, dass die drahtlose Datenübertragung sehr viel besser mit Hindernissen wie Mauern zurechtkommt. Bestehende WLAN-Netze könnten eine Reichweite von mehreren Kilometern erreichen. Damit bieten sich neue Chancen für öffentliche WLAN-Netze in Städten, die für alle frei zugänglich sind.

"Die Realisierung unseres Ansatzes hätte weitreichende Folgen", erklärte Weber vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT. "Personen, Institutionen und Unternehmen wären bei ihrer digitalen Kommunikation in viel geringerem Masse auf teure Mobilfunknetze angewiesen."

Die beiden Autoren schlagen nach einer Mitteilung des KIT vom Montag vor, ihren Ansatz auf die Tagesordnung der World Radiocommunication Conference (WRC) zu setzen. Diese von den Vereinten Nationen initiierte Konferenz entscheidet über die weltweite Nutzung von Radiofrequenzen. (sda/mim)