Tapit vs. Twint vs. Wally: Bruderkampf um Mobile Payment

PostFinance will mit einer neuen App Bar- und Plastikgeld vergessen machen. Eine ähnliche Lösung bietet Swisscom bereits an. Auch die SBB will mitmischen.
 
Mobile Payment - das mobile Bezahlen per Smartphone oder Tablet - steht vor einer glänzenden Zukunft, wenn man den Auguren Glauben schenkt. Laut einer aktuellen Studie von Juniper soll die Zahl der weltweiten Mobile-Payment-Transaktionen bis 2017 auf über 2 Milliarden ansteigen. Im laufenden Jahr sollen bereits mehr als 1,6 Milliarden Transaktionen über mobile Bezahldienste abgewickelt werden.
 
Schwergewichte wie Apple mischen in diesem jungen Business mit. Schweizer Player sind nicht untätig, im Gegenteil: Es tummeln sich hier Startups, etablierte Konzerne und branchenfremde Akteure. Die jüngste Ankündigung kommt von PostFinance. Der Finanzdienstleister der Post hat heute den Launch der "ersten integrierten Payment- und Shopping-App der Schweiz" angekündigt. "Twint", so der Name, soll in der zweiten Jahreshälfte 2015 auf den Markt kommen. Mit der App (für iOS und Android) kann man bezahlen und auch Coupons und Stempelkarten integrieren. Auch Nicht-PostFinance-Kunden sollen die App nutzen können.
 
Twint soll in der Schweiz umfassend einsetzbar sein. Gespräche mit Detailhändlern, E-Commerce-Anbietern und andern Dienstleistern über die Akzeptanz von Twint als Zahlungsmittel seien "in vollem Gang". Genannt werden die möglichen Partner Coop, Digitec, Galaxus und natürlich die Post. Twint wurde im Sommer 2014 unter dem Namen Monexio als Tochtergesellschaft von PostFinance gegründet. CEO ist Thierry Kneissler, der zuvor in der Geschäftsleitung von PostFinance sass. Das Startup-Unternehmen mit Sitz in Bern beschäftigt knapp 10 Mitarbeitende.
 
"Wettbewerb spielt"
Im Unterschied zu bisher bekannten Wallet-Lösungen benötige Twint keine Kredit- oder Debitkarten und funktioniere unabhängig von Telekomanbietern, teilt PostFinance mit. Diese Aussage richtet sich insbesondere an den anderen bundeseigenen Betrieb Swisscom, der diesen Sommer mit Tapit eine ganz ähnliche Lösung lanciert hat. Tapit funktioniert bislang jedoch nur mit ausgewählten Kredit- und Prepaidkarten von Cornercard und Viseca. Bislang wurde die App rund 10'000 Mal heruntergeladen.
 
"Wir sehen, dass der Wettbewerb spielt und unterschiedliche Lösungen auf den Markt kommen. Von diesem Wettbewerb profitiert schlussendlich der Kunde", sagt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze dazu auf Anfrage. Mit Tapit setze man auf den NFC-Standard, der auf eine bereits weit verbreitete und bestehende Infrastruktur in den Geschäften aufbaue. "Somit lässt sich bei Tapit eine einfache Nutzung, die Integration bestehender Karten und eine Branchenlösung mit Orange und Sunrise verbinden."
 
Warum kooperieren die beiden bundeseigenen Betriebe nicht? Noch vor wenigen Monaten hiess es bei PostFinance, man sei an Tapit interessiert. Heute sagt PostFinance-Sprecher Richard Pfister: "Wir wollen der Kundschaft eine möglichst einfache Lösung anbieten, die unabhängig von einem Telekomanbieter funktioniert." Bei Swisscom heisst es immerhin: "Wir sind offen für andere Plattformen und für gemeinsame Lösungen." Zu den Entwicklungskosten geben beide Unternehmen keine Auskunft.
 
Auch die SBB verfolgt mit "Wally" ähnliche Ziele. Allerdings hat man seit Monaten nichts mehr von diesem Projekt gehört. "Es gibt aktuell keine Neuigkeiten, die spruchreif sind", sagt dazu SBB-Sprecher Christian Ginsig. (Maurizio Minetti)