"Beacons": Ein völlig neues Einkaufserlebnis?

In Wiedikon läuft ein neuartiges Pilotprojekt mit Quartierläden. Auch andere Akteure beschäftigen sich mit der neuen Technik.
 
In Zürich-Wiedikon ist dieser Tage ein Pilotprojekt mit Beacons aufgezogen worden, das in der Schweiz bislang einzigartig sein dürfte: 20 Quartierläden verwenden die auf Bluetooth basierende Technologie, um besser mit den Kunden interagieren zu können. Hinter dem Projekt stehen Marc Hauser von Stratac, Fabio Trentini von BTC Business Technology Consulting sowie Patrick Dürsteler von Sunsus. Die drei Startups möchten mit dem Verein WiedikonValley in erster Linie zeigen, was mit der Technik möglich ist.
 
Beacons (englisch für Leuchtturm oder Blinklicht) senden via Bluetooth Signale aus, die von Smartphone-Apps empfangen werden. Beacons können zur Indoor-Navigation oder auch fürs mobile Bezahlen verwendet werden. Die Technologie ermöglicht es zum Beispiel, den Kunden in oder vor den Läden verkaufsfördernde Informationen zu übermitteln. Der Kunde erhält in einem Geschäft beispielsweise Informationen zum Produkt, das er gerade ansieht: Es werden Informationen angezeigt, die im unmittelbaren zeitlichen und räumlichen Kontext stehen.
 
Apple gab den Impuls
Beacons haben zwar nichts direkt mit Apple zu tun, doch der Konzern aus Cupertino hat die Unterstützung für die Technologie letztes Jahr ab iOS 7 integriert - seitdem sind Beacons in aller Munde. Manche sprechen von Apples proprietärer Lösung iBeacon, meinen aber schlicht Beacon.
 
In der Schweiz gibt es hie und da Projekte: Swisscom experimentiert damit, auch Coop verfolgt das Thema nach eigenen Angaben "mit Interesse". Die SBB testet Beacons im Rahmen der Indoor-Navigation. "Wir werden rechtzeitig informieren, wenn diese Navigations-App für den Zürcher Hauptbahnhof zur Verfügung stehen wird", schreibt die SBB heute auf Anfrage. Kürzlich wurden die Messehallen der Bernexpo Groupe mit Beacons ausgestattet. PostFinance setzt bei der gestern angekündigten Twint-App ebenfalls auf Beacons.
 
Kenner glauben, dass die Technik künftig "unsichtbar" wird: Der Endkunde wird sie ganz einfach im Rahmen angebotener Services nutzen. Bis dahin wird aber noch experimentiert. Die Initianten des WiedikonValley haben ihre Idee innerhalb von zweieinhalb Monaten umgesetzt. Nun sei die erste "Beacon-Zone" der Schweiz live, teilen sie mit.
 
Das Pilotprojekt läuft entlang der Birmensdorferstrasse, also zwischen Schmiede Wiedikon und Goldbrunnenplatz. Den Passanten soll ein "völlig neues Einkaufserlebnis geboten werden". Angezeigte Informationen können eine Aktion des Bäckers sein, oder ein Rabatt des Optikers oder die drei Angebote für den Mittagstisch des Restaurants. Ein Einsatz von Beacons in dieser Dimension sei absolut neu in der Schweiz, vielleicht auch in Europa, schreiben die Initianten.
 
Der Pilot läuft noch bis zum März 2015. Die App ist in Apples App Store und auf Google Play kostenlos verfügbar. (Maurizio Minetti)