BlackBerry in der Schweiz: Vom unvermeidlichen Niedergang zur möglichen Auferstehung

Konzerne wie Novartis, Ringier und Swiss Life verabschieden sich vom BlackBerry. Swisscom verkauft bald keine mehr an Privatkunden. Doch für den einstigen Smartphone-Star gibt es dennoch Hoffnung: Multi-Plattform und das Internet der Dinge könnten die Rettung sein.
 
Er war Mitte der Nullerjahre der Star unter den Smartphones, das Lieblingsspielzeug der Manager: Der BlackBerry. Ab 2008, kurz nach der Lancierung des iPhones von Apple, ging es mit den Kanadiern aber nur noch bergab: Die Marktanteile sanken in den Keller, das Image litt. In der Schweiz verkaufte BlackBerry 2013 nach Angaben des Marktforschers Robert Weiss 46'000 Geräte, was einem Marktanteil von 1,3 Prozent entspricht. "Ich schätze, dass in diesem Jahr der Marktanteil von BlackBerry deutlich unter 1 Prozent liegen wird", sagt Weiss. Das würde einem Absatz von rund 20'000 Geräten entsprechen.
 
BlackBerrys waren bis vor wenigen Jahren in der Geschäftswelt vor allem deshalb beliebt, weil sie eine vernünftige Tastatur haben und Mails ohne Verzögerung aufs Gerät pushen. Push-Mails sind heute in Smartphones Standard und seit dem iPhone hat sich der Touchscreen weitgehend durchgesetzt. Mit dem Passport hat BlackBerry kürzlich gezeigt, dass man die Business-User nach wie vor im Visier hat - und weiterhin auf Hardware-Tastaturen setzt.
 
Diese Firmen sagen BlackBerry bye bye
Noch heute stammen 80 Prozent der BlackBerry-Kunden aus dem Firmenumfeld - doch diese Bastion bröckelt. Swiss Re soll dem Vernehmen nach einen Wechsel von BlackBerrys auf Windows Phones planen. Nestlé hat schon vor mehreren Jahren gruppenweit auf iPhones migriert. Beim Basler Pharma-Konzern Novartis waren noch vor zwei Jahren rund 25'000 BlackBerrys im Einsatz. "Heute sind die meisten Nutzer mit iPhones ausgestattet. Zudem gibt es eine kleine, aber steigende Zahl von Android-Geräten. Wir erwarten, dass bis Ende 2015 alle Blackberrys ausgetauscht sein werden", heisst es aus Basel. Auch Mitbewerber Roche hatte früher BlackBerrys im Einsatz und verwendet seit rund zwei Jahren iPhones. Begründung: "Diese unterstützen viele nützliche Funktionen und Geschäftsapplikationen."
 
Ein weiterer grosser Konzern, der früher fest in der Hand von BlackBerry war, ist Ringier. Beim grössten international tätigen Medienhaus der Schweiz waren BlackBerrys jahrelang Standard, insbesondere im Management. So gilt Verleger Michael Ringier als grosser BlackBerry-Fan. Und trotzdem: Per Ende 2014 wird der BlackBerry-Server bei Ringier heruntergefahren, weil Google-Mail die Schnittstelle zu BlackBerry-Servern einstellt. Ringier hatte vor vier Jahren auf Google Apps migriert. Vom Entscheid von BlackBerry, die Schnittstelle nicht mehr zu unterstützen, sind vor allem die älteren Geräte betroffen. Neuere Geräte ab der Betriebssystemversion BB10 würden zwar auch weiterhin funktionieren. Doch Ringier stellt klar: "In den vergangenen Jahren wurde bei Ringier aufgrund der grossen App-Vielfalt aus dem Medienhaus zunehmend auf iPhones umgestellt." Selbst Michael Ringier besitzt zwar immer noch sein BlackBerry, parallel dazu aber auch ein iPhone 5.
 
Erst vor wenigen Wochen hat auch Swiss Life die letzten BlackBerrys ersetzt. Die Angestellten des grössten Schweizer Lebensversicherers, die mit besonders schützenswerten Daten arbeiten, waren bislang entweder von der mobilen Mailsynchronisation ausgeschlossen oder durften diese nur über BlackBerry-Geräte nutzen. "Mit dem Aufkommen von neuen Lösungen, die mit handelsüblichen Smartphones eine gesicherte Kommunikation via E-Mail ermöglichen, hat Swiss Life entschieden, Alternativen zur BlackBerry-Nutzung zu prüfen", erklärt der Versicherer auf Anfrage. Dabei spielten auch die Kosten für die BlackBerry-Services und der Betrieb der notwendigen Infrastruktur eine Rolle. Nach einer Evaluation entschied Swiss Life, die geschäftlichen Daten auf den mobilen Geräten mit der Mobile-Device-Management-Lösung MobileIron zu sichern, die alle gängigen Plattformen unterstützt. Als Folge dieses Technologiewechsels setzt Swiss Life heute keine BlackBerrys mehr ein.
 
Security: Hans was Heiri
Wenn von BlackBerrys die Rede ist, wird immer wieder betont, dass sie in sensiblen Bereichen wie etwa staatliche Einrichtungen oder Banken nach wie vor vertreten sind. Für CIOs dürfte die Security-Komponente stets das wichtigste Kriterium gewesen sein, um auf BlackBerrys zu setzen. Abgesehen davon, dass Geheimdienste wie die amerikanische NSA überwachen können, was sie überwachen wollen, gelten BlackBerrys tatsächlich nach wie vor als sehr sicher. "Durch den geschlossenen Ansatz und die geringere Verbreitung im Vergleich zu Android ist die Bedrohung sicherlich kleiner", meint etwa Candid Wüest vom Security-Anbieter Symantec. "Der BlackBerry ist in Kombination mit dem Server und den dazugehörigen Diensten immer noch das sicherste Handy vor iOS und definitiv auch vor Android", sagt auch der Schweizer Sophos-Chef Andrej Massaro.
 
Und trotzdem: Mittlerweile gibt es Security-Lösungen, die aus praktisch jedem Smartphone ein "sicheres" Gerät machen. Ausserdem spielen die internen Prozesse und die Infrastruktur drumherum eine grosse Rolle. "Blackberry war eine Weile lang sehr populär, weil ein zentralisiertes, geschlossenes System genutzt wurde, das ein gewisses Policy Enforcing für Firmengeräte einfach machte", sagt Stefan Friedli vom Zürcher Security-Consulter Scip. Werden Android-Geräte und iPhones sauber implementiert - etwa mittels solider Mitarbeiter-Prozesse und technischer Unterstützung durch Device-Management-Lösungen - so sei in punkto Sicherheit kein signifikanter Vor- oder Nachteil gegenüber einer ebenfalls sauber umgesetzten BlackBerry-Lösung festzustellen, so Friedli.
 
In der zivilen Bundesverwaltung waren BlackBerrys denn auch nie als Standardgeräte definiert und wurden somit nie als Mobiltelefone mit den gängigen Synchronisationsleistungen (Kalender, Mails, etc.) angeboten. "Es mag sein, dass einzelne Personen temporär BlackBerrys genutzt haben, allerdings bewegen wir uns da zahlenmässig in äusserst kleinem Rahmen", heisst es aus Bern.
 
Credit Suisse und UBS sind längst keine BlackBerry-only-Konzerne mehr. Von der Brombeere getrennt hat sich auch Raiffeisen Schweiz. Den BlackBerry-Service hat die Bank bereits per Ende 2013 ausser Betrieb genommen. Raiffeisen habe sich damals aus Kosten- und Funktionsüberlegungen für den Ablösungsschritt entschieden, so die Begründung. Bei PostFinance oder der Zürcher Kantonalbank waren BlackBerrys überhaupt nie ein Thema.
 
Nur wenige Firmen sagen offen, dass sie nach wie vor strategisch auf BlackBerry setzen. "Seitens der Mitarbeitenden wird BlackBerry immer noch nachgefragt und ist deshalb auch in der Angebotspalette", heisst es bei einem grösseren Beratungsunternehmen, das aber anonym bleiben möchte.
 
Privatkunden springen auch ab
Bei vielen Firmen geht der Trend ohnehin Richtung Bring your own device (BYOD) oder Choose your own device (CYOD): Mitarbeitende verwenden private Geräte auch im Firmenumfeld oder können aus einer vorgegebenen Palette auswählen. Julius Bär ist ein Beispiel dafür, oder auch KPMG, wo man vor zwei Jahren auf BYOD umgestellt hat. Heute machen BlackBerrys bei KPMG nur noch 20 Prozent der Geräte aus, der Rest sind iPhones oder Android-Smartphones. Auf BYOD setzt zum Beispiel auch ABB. BlackBerrys gibt es beim Industriekonzern nur noch vereinzelt. "Für das obere Kader waren früher teilweise BlackBerrys im Einsatz, zu Beginn noch mit Extra-Servern. Diese Lösung wurde im Vergleich zu den immer besser werdenden Smartphones anderer Anbieter auf Dauer zu teuer und wurde deshalb im September 2013 eingestellt", sagt ein ABB-Sprecher.
 
Wenn nur noch wenige User einen BlackBerry haben, lohnen sich für Firmen die damit zusammehängenden Ausgaben nicht mehr. "Die BlackBerrys an sich sind nicht teurer als andere Smartphones. Aber die Infrastruktur und der Service waren ziemlich kostenintensiv. Mit der BYOD-Lösung konnte man hier auch Kosten einsparen", sagt der Sprecher eines grossen Finanzdienstleisters.
 
Der BYOD- oder CYOD-Trend führt dazu, dass immer weniger BlackBerrys im Firmenumfeld anzutreffen sind - denn Privatuser greifen lieber zu anderen Marken. Bei Digitec heisst es, dass mit der Lancierung des Passports der Verkauf zwar wieder angestiegen sei, die Nachfrage sei allerdings nicht mehr dieselbe wie in den Vorjahren: "Die zahlreichen Alternativen werden rege genutzt." Auch Mobilezone spricht von einem geringen Verkaufsvolumen. Gemessen an allen verkauften Geräten über alle Marken und Modelle hinweg machen BlackBerrys bei Mobilezone weniger als 1 Prozent aus. Drei von vier Geräten werden an Geschäftskunden verkauft.
 
Patrick Andreoli, Product Manager Telco beim Distributor Alltron, berichtet von einem Nachfrage-Schub im Jahr 2013. Dies war vor allem auf die damals neuen Geräte Z10, Z30, Q10 und Q5 sowie das BlackBerry-OS-Update auf Version 10 zurückzuführen. "Seither hat sich das Produktportfolio verkleinert, und damit wird es für BlackBerry immer schwerer, sich im Markt gegen die grossen Brands zu behaupten, was mit Sicherheit einen Rückgang der Nachfrage bei Privatkunden zur Folge hat", sagt er.
 
Für den Vertrieb von Smartphones ist der Providermarkt wichtiger, doch bei den drei Mobilfunkanbietern ist die Tendenz die gleiche: Die Nachfrage ist sehr gering. Swisscom zieht sich gar komplett aus dem Privatkundengeschäft zurück, wie ein Swisscom-Sprecher sagt: "Wir führen aktuell noch das Blackberry Q10. Das Modell wird allerdings nicht mehr nachbestellt und daher mittelfristig aus dem Sortiment genommen. Wir sehen, dass die meisten Privatkunden bei der Wahl ihres Smartphones auf andere Features Wert legen als von BlackBerry angeboten." Das neue Passport wird also zumindest bei Swisscom nicht an Privatkunden verkauft. Das Q10 dürfte schon in wenigen Wochen abverkauft sein.
 
Sunrise hatte sich bereits 2013 aus dem Geschäft mit BlackBerry-Geräten zurückgezogen. "Wir konzentrieren uns auf die Modelle der am stärksten nachgefragten Hersteller", so Sunrise. Mitbewerber Orange verkauft zwar in ausgewählten Läden BlackBerry-Geräte an Geschäfts- und Privatkunden, doch es ist klar, dass es sich nicht um ein boomendes Geschäft handelt: Jedenfalls waren die Geräte noch nie unter den zehn meistverkauften Handys bei Orange in der Schweiz. Ein Rückzug ist bei Orange trotzdem nicht geplant: "Solange eine entsprechende Nachfrage besteht, wird Orange BlackBerry-Geräte anbieten."
 
Management der Dinge
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass sich Firmen - begünstigt vom BYOD-Trend - vom BlackBerry verabschieden. Security ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr, weil es mittlerweile Lösungen gibt, die zufriedenstellend sind. Privatkunden greifen ohnehin vermehrt zu Android-Geräten, iPhones oder Windows Phones. Ist es also nur noch eine Frage der Zeit, bis BlackBerry die Segel streicht? In Waterloo, am kanadischen Hauptsitz von BlackBerry, ist man anderer Meinung.
 
Vor einigen Tagen berichtete der Marktforscher IDC, dass für die kommenden Jahre mit einer Abschwächung des Wachstums beim Smartphone-Absatz gerechnet wird. Zudem soll der erhebliche Preisdruck durch chinesische Hersteller wie Xiaomi zunehmen. Für BlackBerry hört sich dies wie eine Bestätigung der neuen Strategie an: Wenn das traditionelle Geschäft mit Geräten wegbricht, braucht es neue Umsatzquellen. Der im Herbst 2013 als Retter an Bord geholte CEO John Chen (Foto) hat eingesehen, dass nicht die Hardware, sondern Software und Dienstleistungen die Zukunft von BlackBerry sein könnten.
 
Im Wesentlichen konzentriert sich die Hoffnung von BlackBerry nebst dem angestammten Hardware-Geschäft auf drei Bereiche: Mobile Device Management Software und dazugehörige Dienstleistungen, Collaboration-Dienste wie die Messenger-App BBM sowie das Internet der Dinge. Die Management-Software bietet mittelfristig am meisten Potenzial, weil hier die Margen höher sind als im Hardware-Geschäft. In der entsprechenden Enterprise-Sparte erwartet BlackBerry eine Verdoppelung der Umsätze im nächsten Geschäftsjahr auf eine halbe Milliarde Dollar. Das Stichwort heisst hier Multi-Plattform: Mit dem BlackBerry Enterprise Service 12 (BES12) unterstützen die Kanadier nicht nur die Verwaltung der eigenen Geräte, sondern auch iPhones, Android-Geräte und Windows Phones. Rund um die Chat-App BBM bietet BlackBerry zudem diverse Sicherheits- und Collaboration-Tools wie die Videokonferenz-Lösung Blackberry Meetings an. Hier wird für das kommende Geschäftsjahr ein Umsatz von 100 Millionen Dollar erwartet.
 
Die Zahlen sind noch recht bescheiden. Ob die Software-Dienste reichen, um als Firma zu überleben, ist fraglich. Im Mobile Device Management ist BlackBerry ohnehin nur ein Me-too-Anbieter. Es gibt Alternativen wie AirWatch oder MobileIron, die bei vielen CIOs gut ankommen. BlackBerry selbst ist realistisch: "Geräteverwaltung ist ein Allerweltsprodukt, weshalb wir nicht erwarten, einen Haufen Geld mit einfachem Mobile Device Management zu machen. Es ist wichtig, das zu haben, aber es geht eigentlich nicht um die Geräte. In Wirklichkeit geht es um die Daten, die Anwendungen, die Dinge, die Menschen auf den Geräten tun", sagte kürzlich John Sims, Chef der Abteilung Enterprise Services.
 
Mit Blick auf das Internet der Dinge schaut BlackBerry deshalb etwas ferner in die Zukunft. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die Zahl der vernetzten Geräte und Sensoren auf über 200 Milliarden steigen. Laut IDC wird der Markt rund um das Internet der Dinge 2020 über 3 Billionen Dollar generieren. Wenn die Prognose der Marktforscher zutrifft, dass künftig immer mehr Haushaltsgeräte, Autos, Lifte, Brillen oder medzinische Systeme übers Internet mit uns und untereinander kommunizieren, müssen all diese Dinge verwaltet werden. BlackBerry will mit seiner Software nicht nur alle Smartphones verwalten, sondern schlicht alles, was eine IP-Adresse hat. Mit dem NOC verfügt BlackBerry über ein eigenes Netz zu praktisch jedem Carrier dieser Welt. Das könnte ein entscheidender Vorteil sein.
 
Kaum bekannt ist, dass hinter Apples CarPlay das BlackBerry-eigene Betriebssystem QNX steckt, das als schlank und sicher gilt. So hat sich kürzlich der US-Autokonzern Ford entschieden, künftig für sein Onboard-System statt auf Microsoft auf QNX zu setzen. Zudem hat BlackBerry eine Serie von Initiativen unter dem Namen "Project Ion" vorgestellt. So ist eine auf QNX basierende Plattform zum Entwickeln und Bereitstellen von Anwendungen für das Internet der Dinge geplant. Die jüngste Offenheit von BlackBerry soll auch hier zum Zug kommen: Die Softwareplattform soll durch ein Ökosystem aus Partnerunternehmen, Carriern und Anwendungsentwicklern gestützt werden.
 
Zekeria Oezdemir glaubt fest daran, dass die neue Strategie von Erfolg gekrönt sein wird. Er ist seit Anfang Jahrtausend im BlackBerry-Geschäft und betreibt mit BB10.ch die nach eigenen Angaben grösste BlackBerry-Community-Seite für Business-Themen im deutschsprachigen Raum. Hauptberuflich ist er Leiter Technik beim grössten Deutschschweizer BlackBerry-Platinum-Partner NovaLink. "Wir haben aktuell mehrere Kundenprojekte für die Mobile Device Management Plattform von BlackBerry gewonnen", sagt Oezdemir. Es seien weder Banken noch Versicherungen, sondern ganz gewöhnliche KMU aus der Industrie.
 
Oezdemir ist durchaus bewusst, dass die Zeit, als man für BlackBerry-Serverinstallationen eine Warteliste führen musste, vorbei ist. "Die letzten zwei, drei Jahre waren hart, die Anfragen gingen laufend zurück", berichtet er. Die Kunden waren von den Verkaufsspekulationen und den Wechseln an der Spitze verunsichert. "Seit John Chen am Ball ist, merken wir aber, dass sich die Firmenkultur gewandelt hat. BlackBerry ist jetzt näher am Kunden." Die Umsätze zeigen laut Oezdemir wieder "steil nach oben, da innovative Firmen erkannt haben, dass BlackBerry im Geschäftsumfeld immer noch die richtige Wahl ist." Die Stimmung unter den CIOs sei wieder besser. Produkte wie BBM Meetings, BBM Protected oder die Desktop-Software Blend seien erst der Anfang. Für nächstes Jahr ist zum Beispiel WorkLife geplant. Ein Dienst, um mehrere Nummern auf einer SIM-Karte zu betreiben, unabhängig davon, ob es sich um ein Android-Gerät, iPhone oder BlackBerry handelt. "Ein interessanter Dienst, wenn ich sehe, was Kunden im Bereich Vermischung von Geschäfts- und Privatnummern nachfragen", sagt NovaLink-Mann Oezdemir.
 
Stefan Mennecke, der als Managing Director Central Europe bei BlackBerry auch für den Schweizer Markt zuständig ist, bestätigt die Befunde von Oezdemir: "Wir hatten zwei, drei harte Jahre, aber diese haben wir überstanden." Hinzu komme, dass die Schweiz ein sehr iPhone-lastiges Land sei. "Das ist ok für uns, wir managen jetzt alle Plattformen, iOS und Android auch mit einer Container-Lösung", sagt Mennecke. Die Hardware bleibe für BlackBerry aber trotzdem wichtig, für nächstes Jahr seien etliche neue Modelle auf der Roadmap. Dass viele Schweizer Firmen BlackBerry den Rücken zukehren, sei eine Momentaufnahme, glaubt der BlackBerry-Manager. Er gibt sich fest überzeugt, dass BlackBerry mit den oben beschriebenen Software-Lösungen wieder Fuss fassen wird. "Mobile Device Management ist nur ein Mosaikstein. Unsere Security-Lösungen, Verschlüsselungstechnologie und Collaboration-Tools sind genauso Teil des Pakets für Unternehmenskunden."
 
Doch warum sollten Kunden die Management-Software von BlackBerry einsetzen statt zum Beispiel jene von MobileIron? "MobileIron ist ein Startup, das Verluste schreibt, das Portfolio ist recht eindimensional. CIOs müssen aktuell natürlich die MDM-Aufgabe lösen, können hier inzwischen aber auch auf sichere BlackBerry-Produkte zählen. CIOs grosser Unternehmen sollten sich zusätzlich auch fragen, ob ihnen ein Startup ausreichend Planungssicherheit gibt. Die meisten MDM-Startups wurden inzwischen übernommen oder suchen frisches Kapital", meint Mennecke.
 
Für CIOs ist es tatsächlich nicht einfach. Noch vor wenigen Monaten fragten sie sich, wie lange BlackBerry wohl noch existieren wird. CEO John Chen hat das Geschäft von BlackBerry seit seinem Amtsantritt nun einigermassen stabilisiert, er hat rigoros Kosten gespart und entwickelt die neue Strategie konsequent weiter. "Wir werden als Unternehmen überleben, da bin ich ziemlich zuversichtlich. Jetzt müssen wir nur noch schauen, dass wir wachsen können", sagte er kürzlich.
 
Diese Woche wird BlackBerry das neue BlackBerry Classic lancieren und die jüngsten Quartalszahlen veröffentlichen. Analysten erwarten wieder Verluste und einen starken Umsatzrückgang. (Maurizio Minetti)