Exklusiv! 2015 - die ganze Wahrheit

Das inside-it.ch-Analystinnenteam weiss was wird: Im Uhrzeigersinn: Madama Mirza, Mama Ronja, Milostivá Pani Krassnikova, Senora Linda de Burgos.

Die 1. Prophezeiung: UBS und Credit Suisse erreichen eine neue Dimension der Industrialisierung der Informatik: Sie entlassen mehr InformatikerInnen als sie beschäftigen. Dies führt zu einem völlig neuen Berufsbild: dem –Informatiker (sprich: Minus-Informatiker). Minus-Informatiker (Frauen sind selten und mitgemeint) gelten im Allgemeinen als recht inkompetent – manche trauen ihnen nicht mal die Betreuung der Schatten-Informatik zu.

Die 2. Prophezeiung: Nach Swisscom, Threema und Wire
bringen auch der Kanton Zürich, die Kantonspolizei Zürich, das BIT und die Hundeverwaltung Gümligen eigene, sichere und mega-swisse Whatsapp-Alternativen. Sechs Spinoffs der ETH/EPFL, elf Universitäten und 58 Fachhochschulen lancieren Chat-Apps mit Swissness nach. Es regnet Risikokapital.

Die 3. Prophezeiung: Die Gross-Privatbank Julius Bär entscheidet sich nach einer nur 18-jährigen Evaluationsphase für eine neues Kernbankensystem. Mehr noch: Für ein neues Business-Process-Outsourcing-Modell. Wie man seit Jahren weiss, gewinnt Avaloq. Überraschend ist einzig die Wahl des Namens für das gemeinsame Avaloq-Bär-Business-Process-Outsourcing-Venture: "Bärnandez". Das ist sogar für "Inside Paradeplatz" neu.

Die 4. Prophezeiung: Google, Facebook, SAP, die RUAG, Apple, Bô Quõc Phòng Software, IBM und Microsoft veröffentlichen völlig unbeachtet von der Öffentlichkeit neue Terms & Conditions. Zum ersten Mal in der Geschichte des Schweizer Gratis-Journalismus (übrigens auch des paid-, des wissenschaftlichen und überhaupt-J.) ist es uns gelungen, in die Tiefe der Paragrafen vorzudringen. Einige Beispiele:

Apple: § 3449, Abs. 54: Der Käufer überträgt seine Seele dem Verkäufer. Sie kann nicht zurückgeholt werden.

Apple: § 3449, Abs. 55: Der Käufer verpflichtet sich, für den Rest seines Lebens schwarze Rollkragenpullover zu tragen.

Google: § 84'119, Abs. 18 ter: Der Käufer verpflichtet sich, alle Kreditkarten-Nummern, Bankkonten und überhaupt alle mit Geld verbundenen Informationen und Berechtigungen an Google zu übertragen.

IBM: § 12: Ich (wir, es) gewähren IBM die vollen Rechte auf sämtliche zukünftige Patente meines (unseres, seines) Unternehmens.
 
RUAG: § 2, Abs. 3: Schadenersatzklagen sind ausgeschlossen. Der Käufer nimmt zur Kenntnis, dass die Software / das System nicht fertig ist und auch nie wird.

Die 5. Prophezeiung: Bei den eidgenössischen Wahlen im Oktober kommt es überraschend zu einem wahren Durchmarsch der ICT-Branche. Die Bundesratswahl verläuft völlig chaotisch. Wegen eines massiven taktischen Fehlers der SVP wird zwar ihre Erzfeindin Eveline Widmer-Schlumpf abgewählt, doch wird völlig unerwartet mit Balthasar Glättli zum ersten Mal in der Schweizer Geschichte ein Informatiker in das Siebnergremium gehievt. Ruedi Noser schafft es in den Ständerat, Andi Knöpfli zu seiner eigenen Verblüffung ins Bundesgericht und Open-Source-Prophet Matthias Stürmer in den Weltkirchenrat. Informatik löst Asyl- und Migration als Hype-Thema ab: Die Bauern und ihre Genossenschaft Fenaco starten die schweizweite Kampagne: "Auch Milch ist Software" und Bundesrat Ueli Maurer ergreift die Gelegenheit und startet das Projekt "Swiss IT Fortress". Es gehen freihändig vergebene Aufträge in der Höhe von drei Milliarden Franken an Thales, vier Milliarden an IBM und 245’918 Franken an die IT-Abteilung der RUAG. Zudem wird Beton für neue Bunker als Server-Räume bei Holcim im Wert von 18 Milliarden Franken bestellt. Abgew. Bundesrat Blocher erläutert auf Teleblocher, dass dies beweise, dass Schweizer Technologie eben überlegen sei – ohne fremde Programmierer.

Die 6. Prophezeiung: Ein IT-Projekt der Stadt Zürich sorgt für Protest und Schlagzeilen. Dank der Hilfe eines lokalen Software-Herstellers dauert es nur drei statt wie geplant fünf Jahre und es kostete auch nur halb soviel wie angenommen. Der Zürcher Gemeinderat ist empört. Wozu man denn so lange über den hohen Kredit debattiert habe, wenn das Geld dann sowieso nicht gebraucht werde, fragt sich das Zürcher Parlament. Der Verband der IT-Personalverleiher – ExternoTravaille – protestiert. Die Branche könne nun von dem Projekt nicht profitieren, der Staat habe wieder mal versagt. Daraufhin muss die Stadt das Projekt abbrechen und das Ganze mit SAP neu beginnen. Das Projekt überschreitet nun das Budget um 100 Prozent und verzögert sich um drei Jahre. Alle sind zufrieden. Jean-Marc Hensch wird mit einem Beratungsauftrag von ExternoTravaille ruhig gestellt.
 
Die 7. Prophezeiung: Im Referendumskomitee Stopp BÜPF kommt es bei der Budget-Beratung zu einer wüsten Schlägerei zwischen fast allen Beteiligten. Grund: Vertreter der ICT-Branche wie Green-Grüter stellen sich auf den Standpunkt, die Linken rund um Balthasar Glättli und die Jusos müssten 99 Prozent der Kosten des Referendums tragen. Sie seien nämlich schuld am BÜPF, da es ohne linke Krawallbrüder ja auch keine Überwachung brauche. Das darauf folgende Wortgefecht mündet in einer handfesten Schlägerei. Einzig Jacqueline Badran behält kühlen Kopf und mobilisiert ihren alten Freund, den Türsteher des Aura, der die Streithähne auseinanderbringt. Zur Beruhigung raucht Badran eine Zigarette.
 
Die 8. Prophezeiung: inside-it.ch research weiss, dass die Zahl der Warnungen vor Security-Bedrohungen im Jahr 2015 gegenüber 2014 um 113 Prozent auf rund 30’000 pro Jahr steigen wird. Bei einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 140 Prozent in den nächsten fünf Jahren übersteigt die Zahl der Warnungen von Security-Firmen und -Experten 2019 erstmals die Zahl der Bedrohungen. Ende 2022 führt die Flut der Meldungen à la "Achtung Weihnachten: Feierzeit für Phisher" erstmals zu einem Meltdown des globalen Internets. (Redaktion)