SBB-Datennetz: Wer macht das Rennen?

Dieses Jahr beginnt der Bau des neuen SBB-Datennetzes. Das Projekt kostet mindestens 100 Millionen Franken. Als Hardware-Lieferanten bringen sich Alcatel-Lucent, Huawei, Nokia, Ericsson und auch Swisscom in Position.
 
Die SBB steht vor einem grossen Telekom-Projekt: Dieses Jahr soll mit dem Bau eines neuen Datennetzes begonnen werden, das ab 2019 in Betrieb sein soll. Es geht dabei um Telekomsysteme für den Betrieb des Schienennetzes für den Güter- und Personenverkehr. Die heute eingesetzten Systeme sind seit 2006 in Betrieb und erreichen 2018 das Ende ihres Lebenszyklus.
 
Das Datennetz der SBB besteht aus einem Übertragungsnetz, das in Zukunft auf xWDM basieren soll, und den darauf gestützten Anschlussnetzen, die auf MPLS basieren sollen. Die Anschlussnetze stellen unter anderem die IP-Konnektivität via verkabeltem Netz oder WLAN sicher.
 
PC-Infrastruktur, SAP und WLAN hängen dran
Nun hat die SBB vor wenigen Tagen im Rahmen eines selektiven Verfahrens jene Netzausrüster ausgewählt, die für das Projekt in Frage kommen. Sie sollen das Equipment liefern; das Datennetz selbst wird heute und in Zukunft von der SBB selber betrieben. In der ersten Phase wurde die Eignung möglicher Anbieter geprüft. Fünf Anbieter haben die Eignungsprüfung bestanden und sind nun zur Einreichung eines Angebotes zugelassen. Es sind die "üblichen Verdächtigen" im Infrastruktur-Business: Alcatel-Lucent, Huawei, Nokia, Ericsson sowie der Schweizer Telekom-Primus Swisscom. Cablecom machte bei der Ausschreibung nicht mit, weil die SBB ausschliesslich Hardware wie Router und Switches benötigt und über einen eigenen Glasfaserbackbone verfügt.
 
Die fünf Anbieter erhalten nun Ende Februar ein Pflichtenheft. Der Lieferantenentscheid falle voraussichtlich Ende Jahr, sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig zu inside-it.ch.
 
Das Datennetz der SBB verbinde alle nötigen Systeme und sei für den Bahnbetrieb zentral, erklärt Ginsig. Der reibungslose Ablauf von "kundennahen, bahnbetrieblichen und administrativen Prozessen" hänge davon ab, ebenso Bürokommunikation (PCs, Telefonie, SAP) und das Internet für Kunden (WLAN am Bahnhof). Entsprechend handelt es sich um ein umfangreiches, teures Projekt: Ginsig spricht von einem Projektvolumen im "tiefen dreistelligen Millionenbereich".
 
Vorteil Swisscom
Das SBB-Datennetz darf also als kritisch bezeichnet werden. Vor einem Jahr hatte der Bundesrat verlangt, dass die Bundesverwaltung besonders kritische und zentrale Leistungen nur bei Schweizer Unternehmen einkaufen soll. Vor dem Hintergrund der NSA-Affäre sei dies "aus Gründen der Staatssicherheit" notwendig, hiess es im Februar. Dieser Beschluss gilt aber nicht für die SBB, obwohl sie dem Bund gehört. Die SBB ist nicht Teil der Bundesverwaltung, sondern eine "spezialrechtliche Aktiengesellschaft im Besitz des Bundes".
 
Tatsächlich hat Swisscom als einziger Schweizer Anbieter aber gute Chancen, den Auftrag zu gewinnen. Die SBB hatte zwar erst kürzlich die Zusammenarbeit mit Swisscom beim Gratis-WLAN-Zugang an den Bahnhöfen beendet. Andererseits hat Swisscom bereits einen Fuss im Datennetz-Projekt drin: Für die Erneuerung des bestehenden Datennetzes erhielt Swisscom Mitte des vergangenen Jahres einen Auftrag im Wert von 13,5 Millionen Franken. Abgesehen davon schnappte sich Swisscom letztes Jahr auch den höchst lukrativen Deal als Telekom-Anbieter für die SBB. Nicht zu vernachlässigen ist ferner, dass Swisscom auch in anderen ICT-Bereichen ein wichtiger Partner der SBB ist: So hat Swisscom vor wenigen Monaten den PC-Deal der SBB gewonnen.
 
Kommt hinzu, dass Swisscom als herstellerunabhängiger Dienstleister mit genau jenen vier Herstellern kooperiert, die mitofferieren. Swisscom kann also ein flexibleres Angebot zusammenstellen, je nach gewünschter Hardware. Auch ohne Berücksichtigung des Bundesrats-Entscheid hat Swisscom also sehr gute Karten in der Hand, um auch diesen Deal an Land zu ziehen. (Maurizio Minetti)