Rufe nach Reorg in der Schwyzer IT

Parlamentarier fordern besseres Projektmanagement. Kanton will aus gescheitertem Schul-IT-Projekt seine Lehren ziehen.
 
Letztes Jahr ist im Kanton Schwyz das E-Government-Projekt "schuldatenverwaltung.sz" gescheitert. Der involvierte Softwarehersteller Dialog verzichtete bis anhin auf eine Stellungnahme zum Thema. Nun hat die Regierung einen Vorstoss aus dem Kantonsparlament unterstützt, der das zuständige Amt für Informatik genauer unter die Lupe nehmen und neu organisieren will.
 
Der Kanton sei für eine IT-Projektabwicklung in dieser Grössenordnung falsch aufgestellt, schrieben Kantonsrat Othmar Büeler und vier Mitunterzeichnende in einem Postulat Ende November. Es bestehe "die grosse Gefahr, dass unter diesen Voraussetzungen auch künftige Projekte wieder Schiffbruch erleiden werden." Die Departemente seien heute weitgehend auf sich selbst gestellt. Sie hätten selber keine geeigneten Ressourcen, um Informatikprojekte erfolgreich zu planen und steuern. In der Konsequenz kaufen sie diese Dienstleistungen "mit sehr unterschiedlichem Erfolg ein", heisst es im Postulat.
 
Gefordert wird eine Reform in mehreren Schritten. Die Reorganisation habe über die Dauer von drei Jahren "weitgehend kostenneutral" zu erfolgen, das Amt für Informatik müsse künftig in der Lage sein, die Departemente bei Bedarf in IT-Projekten fachlich nach einschlägigen Standards zu führen, nicht nur zu unterstützen. Weiter sei bei grösseren IT-Projekten eine unabhängige externe Qualitätssicherung zu prüfen. Die kantonale IT-Strategie müsse diesbezüglich sichtbar und transparent werden. Das Schwergewicht im Grundauftrag soll zulasten des Betriebs gehen, wo ein günstigeres Outsourcing an ein Schwyzer oder Schweizer Unternehmen angestrebt werden soll. Weiter fordern die Unterzeichner, dass sie Reorganisation und Justierung des Grundauftrags von der Regierung mit Unterstützung einer geeigneten, neutralen und externen Institution erfolgen soll. Es gebe in anderen Kantonen bereits erfolgreiche und bedürfnisgerechte Organisationsformen für die Verwaltung der kantonalen IT, diese seien zu prüfen. Erste spürbare Massnahmen erwarten die Parlamentarier bereits dieses Jahr. Insbesondere muss auch geprüft werden, ob die vom Regierungsrat eingesetzte Kommission richtig besetzt sei, um künftige E-Government-Projekte erfolgreich zu begleiten.
 
Projektmanagement - intern oder extern?
Die Regierung geht in ihrer Antwort auf die geforderten Punkte ein. Im Fazit schreibt der Regierungsrat, der Kanton verfüge im IT-Bereich über ein Leistungsangebot, "das den interkantonalen Vergleich nicht zu scheuen" brauche. Er ist aber auch überzeugt, dass "Weiterentwicklung und Innovation auf verschiedene Arten zu realisieren" seien. Gerade in Zeiten von Finanzknappheit gelte es, ständig in allen Bereichen die Frage nach Effektivität und Effizienz der bestehenden Angebote zu stellen und entsprechende Justierungen vorzunehmen. Insbesondere "die letztlich drängende Frage nach dem Aufbau von eigenen Projektmanagement-Kompetenzen" müsse vertieft beurteilt werden. Es bleibe offen, ob "die Strategie eines externen Einkaufs solcher Kompetenzen nicht zielgerichteter und somit auch finanziell und personell sinnvoller" sei. Gleichzeitig soll die Projektorganisationsstrategie des Kantons überprüft werden.
 
Die Regierung gibt sich abschliessend bereit, die Organisationsform des Informatikamts zu überprüfen und generell eine Auslegeordnung bezüglich Projektmanagement-Kompetenzen vorzunehmen. Daraus soll ein Bericht entstehen, der den Kantonsrat vorgelegt werden soll. Zudem seien darin Ansätze der rechtlichen und organisatorischen Zusammenarbeit zwischen dem Kanton und Dritten aufzuzeigen. (mim)