Neue Diskussion um Handy-Strahlung

Bundesrat will Strahlenschutz-Grenzwerte lockern.
 
Die Zunahme des Datenverkehrs belastet das Schweizer Mobilfunknetz. Für den Bundesrat sind Anpassungen deshalb unabdingbar. Er zieht unter anderem die Lockerung der Strahlenschutz-Grenzwerte in Betracht.

Mit einer Anpassung der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung könnte die Kapazität der einzelnen Sendeanlagen gesteigert werden. Dies schreiben das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) und weitere Bundesämter in einem Bericht, den der Bundesrat am Mittwoch genehmigt hat.

Im Bericht werden verschiedene Möglichkeiten zur Lockerung der Anlagengrenzwerte aufgelistet. Im schlimmsten Fall würde die Strahlenbelastung im Einflussbereich einer Anlage um den Faktor 3,5 steigen.

Den Anstoss zum Bericht hatten zwei Vorstösse aus dem Parlament gegeben. Einer davon, eingereicht von der FDP-Fraktion, forderte die Überprüfung der Strahlenschutz-Grenzwerte. Die Grenzwerte in der Schweiz seien rund zehnmal tiefer als beispielsweise in Deutschland oder Österreich. Das andere Postulat stammt von Nationalrat Ruedi Noser.
 
Dass die Grenzwerte in der Schweiz viel tiefer als im europäischen Ausland sind, bestätigen auch die Autoren des Berichts. Die hierzulande geltenden Grenzwerte aus dem Jahr 1999 führten dazu, dass von den total rund 15'000 Standorten mehr als 6'000 die Grenzwerte ausschöpften. Für die Erhöhung der Netzkapazität im betreffenden Gebiet müssten dadurch neue Anlagen gebaut werden.

Opposition in der Bevölkerung
Gemäss dem Bericht ist bisher nur ein für den Menschen schädlicher Effekt von Mobilfunkstrahlung zweifelsfrei nachgewiesen worden: Die Erwärmung des Körpergewebes. Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko gebe es keine, heisst es mit Verweis auf Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation.

Trotzdem polarisiere der Aufbau der Mobilfunknetze nach wie vor. Im Falle einer Lockerung der Strahlengrenzwerte rechnen die Experten des Bundes deshalb "mit Opposition von Teilen der Bevölkerung". Gemäss einer Erhebung des Bundesamts für Statistik schätzt mehr als die Hälfte der Bevölkerung die Strahlung von Mobilfunkantennen als gefährlich oder eher gefährlich ein.

Damit sich die Bevölkerung "rational" mit der Thematik auseinandersetzen könne, brauche es Daten über die Strahlenbelastung, heisst es im Bericht. "Solche fehlen bislang in der Schweiz." Ein Monitoring zur Mobilfunkstrahlung solle deshalb rasch an die Hand genommen werden.

Der Bericht diene als Grundlage für die Beratungen im Parlament, teilte das Bakom am Mittwoch mit. Die Diskussionen würden zeigen, ob eine Anpassung der Strahlenschutz-Verordnung "zweckmässig" sei. Derweil fordert der Telekom-Branchenverband Asut das Parlament auf, die "dringend notwendigen Anpassungen im Umweltrecht vorzunehmen", damit Wirtschaft und Bevölkerung weiterhin "von einer guten Mobilfunkversorgung profitieren können", heisst es in einer Mitteilung von Asut. (sda/mim)