Leider Nein (ganz normal)

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.
 
Machen Sie sich keine Sorgen. Sie sind ganz normal. Mir geht es auch so. Manchmal stimmt etwas nicht und keinerR reagiert und man zweifelt an sich selbst und fragt sich, wer denn nun spinne. Ich oder die anderen? Zum Beispiel gerade jetzt. Draussen spazieren Möwen auf der Kanzleistrasse herum und verbreiten eine Stimmung, als sässen wir im Bistro d'à Côté am Pier in Port-en-Bessin und schauten dem Fischkutter beim Einlaufen zu. Wir sind aber im Kreis 4, es stimmt etwas nicht mit den Möwen auf der Strasse und niemand nimmt Notiz, Fussgänger und Autos bewegen sich weiter, keineR schaut hin und auch die Möwen tun so, als sei der nächste Lieferwagen ein Kutter und mit Fisch beladen.
 
Machen Sie sich keine Sorgen, die Welt ist seltsam, alles ist möglich und es ist nicht Wahnsinn – nur Alltag. "Schleichender Routerzwang bei Swisscom" titelt 'Computerworld', "Kontaktloses Bezahlen fasst Fuss" ('Swiss IT Magazine'), "SSL Beamer nehmen Fahrt auf" ('Netzwoche'), "Grüne Rechenzentren kommen" ('IT-Markt') und "Kommunizierende Kameras verfolgen Passanten" (pte). Wenn Rechenzentren kommen, Zwänge schleichen und Beamer Fahrt aufnehmen, können Tage auch vor der Türe stehen - das machen sie sogar häufig und immer wieder: "Der Valentinstag steht vor der Tür" klärt uns die Firma Proofpoint auf. Es muss ein rechtes Gedränge vor der Tür sein, denn auch das Jahr steht da: "In wenigen Wochen steht das neue Jahr vor der Tür", analysierte TP-Link vor einiger Zeit, während Proofpoint die Valentinstag-Sache mit Wahrheit pimpte: "Suche nach Liebe birgt Gefahren". Im schlimmsten Fall kommt es dann so: "Stammzellen und Muttermilch im Newsroom" (ihrer Gesundheit zuliebe verzichten wir auf nähere Erläuterungen) oder so: "Internet- und Handy-Wahn macht Deutsche abhängig". Wir würden gerne wissen, was mit den Liechtensteiner und erst recht den Port-en-BessinerInnen ist, doch niemand will uns das sagen.
 
Hoffen wir einfach, die Wahne seien nicht auf dem Vormarsch, denn mit dem Vormarsch ist es wie mit der Tür: Da sind viele: "Amphetamine sind weltweit auf dem Vormarsch", "Deutschsprachiger Spam", "Cyberspionage", "Mobile Bezahlvorgänge", "Konsumierung der IT", "Windows Phone", "Linux", "SuisseID" (!), "VoIP", "Virtualisierung" – alles marschiert und zwar nach vorne.
 
Marschieren wird auch der Kolumnist und zwar durch die Hallen der Fira Gran Via im schönen Barcelona, wo es nächste Woche News regnen wird. Wir werden nichts verpassen, weder das "first Dual 100 GigE NIC", noch die "unique niche propositions" von Snail Mobile", natürlich den welterschütternden Launch des "visual social network" von Kwilt genauso wenig auslassen wie die Demo des "World's Smallest Portable Fuel Cell Charger", die "bahnbrechenden NFV- und SDN-fähige Referenzlösungen" anschauen, mit "connected cars" rumfräsen und von der "new ground-breaking video capture technology" beeindruckt sein. Dazu werden wir an 43 Press Roundtables teilnehmen, uns 18 Keynotes von Zuckerberg & Co. reinziehen, 35 Produkt-Launches beiwohnen und das eine oder andere "press and analyst dinner" nicht auslassen. Davor gibt es Apéros und vor den Apéros ein "Pitch and Beer". Das ist alles ganz normal. (Christoph Hugenschmidt)