Swisscom: Die "Dinge" erhalten ihr eigenes Netz

Swisscom testet ein "Low-Power"-Mobilnetzwerk, das exklusiv für das "Internet der Dinge" reserviert ist.
 
Um das "Internet der Dinge" in richtig grossem Stil einzuführen, braucht es 5G, die nächste Generation von Breitband-Mobilfunk. Ein Grund dafür ist die beschränkte Zahl von möglichen Verbindungen in einer 4G-Mobilfunkzelle. Schliesslich möchten die Provider nicht die Menschen ausschliessen, weil gerade zu viele "Dinge" auf einmal telefonieren möchten. Die Einführung von 5G ist allerdings noch einige Jahre entfernt.
 
Swisscom versucht nun, das Problem mit bereits existierender Technologie zu lindern. Der Telco testet vorerst in den Regionen Zürich und Genf ein Low Power Network (LPN) das ausschliesslich zur Kommunikation von Maschine zu Maschine reserviert ist. Die Idee dahinter: Viele der Dinge, die man vernetzen will, brauchen keine hohe Bandbreite. Sensoren, intelligente Zähler oder Ortungslösungen beispielsweise produzieren oft nur kleine Datenmengen und übermitteln meist auch nur sporadisch kleine Datenpakete.
 
Das LPN-Netz soll bestehende M2M-Lösungen auf Basis des normalen Mobilnetzwerks ergänzen. Es basiert auf zusätzlichen Funk-Gateways, die an verschiedenen Standorten eingebaut werden, und eine Sendeleistung von lediglich maximal 0,5 Watt aufweisen. Damit verbraucht das LPN im Vergleich zu anderen Mobilnetzwerken wenig Energie. Die Bandbreite liegt zwischen 50 und 300 Kbit/s und wird dynamisch angepasst, um den Stromverbrauch so niedrig wie möglich zu halten. Das Netzwerk unterstützt uni- und bidirektionale Kommunikation.
 
"Mit LPN ermöglichen wir auf einen Schlag unzählige neue M2M-Anwendungen für alle Branchen. Zum Beispiel die Vernetzung von Alltagsgegenständen wie Sensoren, Wasserdispenser, Abfalleimer oder Briefkästen", meint dazu Jaap Vossen, Leiter M2M Sales & Marketing bei Swisscom. Der Telco sucht nun vor allem Unternehmen, die solche neuen M2M-Lösungen auf Basis des LPN-Netzwerks austesten wollen. Das Testnetzwerk soll ab Ende Juni 2015 verfügbar sein, und Swisscom verspricht, dass es mindestens bis Ende 2016 betrieben wird. Interessierte sollen sich per E-Mail bei einem M2M-Spezialisten der Swisscom melden ([email protected]) und können online ein LPN-Entwicklerpaket kaufen (Kostenpunkt 2500 Euro).
 
LPN ist eine existierende Technologie, aber noch kein globaler Standard. Swisscom ist seit Januar Mitglied der LoRa Alliance, die einen solchen Standard schaffen will. (hjm)