Netzneutralität: Eine Frage des Verhältnisses

Wenn es um die Verbreitung von datenintensiven Inhalten im Internet geht, sind nicht alle gleicher Meinung. Fredy Künzler, Chef des Providers Init7, kritisiert die grossen Anbieter - allen voran Swisscom - schon lange dafür, dass sie seiner Meinung nach ihre Leitungen zu Content-Lieferanten bewusst ausbremsen. In einem Artikel der 'NZZ am Sonntag' geben nun die beiden dominanten Player Swisscom und UPC Cablecom zu, dass sie unter gewissen Umständen nicht alle Daten gleich behandeln - und somit die Netzneutralität verletzen.
 
Offiziell wollen beide grossen Provider bei der Datenübertragung niemanden diskriminieren. Doch Swisscom etwa verlangt, dass das Daten-Austausch-Verhältnis nicht mehr als 2:1 beträgt. Wer mehr Daten ins Netz von Swisscom spült, muss für das ansonsten kostenlose Peering bezahlen. Künzler fordert, dass das Verhältnis von ein- und ausgehendem Datenverkehr künftig kein Diskriminierungsfaktor mehr sein darf. Bei Cablecom gilt für ein kostenloses Peering ein Datenverhältnis von maximal 3:1. "Wenn die Daten am Interkonnektionspunkt aus dem Verhältnis laufen, steigen die Kosten bei einem Peering-Partner überproportional. Dies geht zulasten jener Kunden, die datenintensive Dienste nicht benutzen", sagt der Kabel-Riese. Künzler argumentiert, die Kosten für den Ausbau der Interkonnektion seien marginal.
 
Die Wettbewerbskommission (Weko) beobachtet die Situation. Sie prüft im Rahmen eines informellen Verfahrens, ob Anbieter wie Swisscom oder Cablecom den effizienten Internetzugang zu kleineren Anbietern verhindern. "Davon sind Video-Anbieter mit hohem Datenaufkommen oder deren Hosting-Partner am stärksten betroffen", sagt Marc Schäfer, Telekom-Experte bei der Weko, gegenüber der 'NZZ am Sonntag'.
 
Künzler selbst wehrt sich seit Jahren gerichtlich gegen die Praxis von Swisscom, fürs "extensive" Peering Geld zu verlangen. Er erhielt in einem provisorischen Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht recht. Swisscom muss seitdem die Gratis-Interkonnektion zu Init7 aufrechterhalten, bis das Verfahren definitiv vom Telekom-Regulator ComCom entschieden wird. (mim)