Nein, der Mainframe stirbt immer noch nicht

Mainframes sind eigentlich ein IT-Fossil aus den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Schon Ende der 70er-Jahre wurde ihnen (vor allem von Konkurrenten) das in Kürze bevorstehende Aussterben prophezeit. In den letzten Jahren sind diese Prophezeiungen allerdings selten geworden. Warum das so ist, illustriert eine aktuelle internationale Umfrage unter CIOs: Bei Grossunternehmen werden Mainframes weiterhin als wichtiger Teil der IT-Infrastruktur betrachtet. Und die verlässlichen Grossrechner werden auch, zumindest manchmal, für neue, "trendige" Applikationen verwendet.
 
Für die Studie, die von Compuware in Auftrag gegeben wurde, wurden rund 350 CIOs von Grossunternehmen aus Australien, den Benelux-Ländern, Frankreich, Deutschland, Italien, Grossbritannien und den USA befragt. 92 Prozent davon erklärten, dass der Mainframe auch in den kommenden zehn Jahren eine wichtige Rolle spielen werde. 84 Prozent sehen ihn auch als eine Möglichkeit für Innovationen.
 
81 Prozent erklärten, dass heute neuere und verschiedenartigere Arbeitsprozesse auf Mainframes laufen als noch vor fünf Jahren. 61 Prozent setzen beispielsweise Mainframes für moderne Big-Data-Applikationen ein. Die Arbeitslast sei insgesamt um etwa 40 Prozent gestiegen.
 
Überleben ja, gedeihen nicht so sehr
Diese Zahlen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mainframe-Bereich keineswegs der Brennpunkt der aktuellen Innovationstätigkeit ist, sondern bei den meisten Anwendern wohl doch ein eher ruhiger Teil der IT-Abteilung. Compuware beklagt sich denn auch, dass "eine deutliche Lücke zwischen dem Geschäftswert des Mainframes und der Investitionsbereitschaft der CIOs zu erkennen" sei. Als Hersteller von Mainframe-Software wäre Compuware natürlich an etwas mehr Aktivitäten im Mainframe-Bereich interessiert. Laut der Umfrage stehen bei der Priorisierung der Investitionen Weiterentwicklungen des Mainframe-Codes als geistiges Eigentum an letzter Stelle. Die Untersuchung zeige zudem auch, dass der Mainframe als "Silo" weiterhin getrennt von der restlichen IT bleibt, auch wenn die CIOs es eigentlich wichtig finden würden, ihn gemeinsam mit anderen IT-Ressourcen zu nutzen. (hjm)