Swissom Bezahl-App Tapit vor dem Aus

Nach anhaltender Erfolgslosigkeit hat die Swisscom genug: Der Telekomkonzern wirft bei seiner Bezahl-App Tapit das Handtuch und schliesst sich der Bezahl-App Paymit der Finanzbranche an.
 
Die Bezahlfunktion bei Tapit werde nur noch bis zum Sommer 2016 angeboten, teilte die Swisscom am Mittwoch in einem Communiqué mit: "Trotz intensiver Bemühungen lag die Zahl aktiver Nutzer und Kreditkartenanbieter bei Tapit klar unter den Erwartungen." Swisscom hat Tapit ursprünglich 2013 für den Retailer Coop entwickelt.
 
Swisscom-Chef Urs Schaeppi hat wiederholt gesagt, er sei mit dem Anklang von Tapit bei den Kunden nicht zufrieden. Die letztes Jahr gestartete App sei lediglich 10'000 mal im Google Play Store heruntergeladen worden.
 
Auf dem hierzulande sehr beliebten iPhone läuft Tapit heute noch nicht, weil Apple die Funkschnittstelle NFC für Tapit nicht freigegeben hat. Damit waren sehr viele Smartphone-Besitzer in der Schweiz von vornherein von Tapit ausgeschlossen.
 
Kein Erfolg bei den Banken
Zudem sei es der Swisscom nicht gelungen, die Banken für Tapit zu gewinnen, sagte Konzernsprecher Carsten Roetz auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die UBS hatte sich nach einer Testphase von Tapit verabschiedet. Die Swisscom werde die durch das Aus von Tapit frei werdenden Ressourcen in die Partnerschaft mit dem Finanzinfrastrukturanbieter SIX stecken. Wie viel das Abenteuer Tapit die Swisscom gekostet habe, wollte Roetz nicht sagen.
 
SIX, UBS und die Zürcher Kantonalbank (ZKB) haben die Bezahl-App Paymit diesen April lanciert. Mittlerweile haben sich noch weitere Banken angeschlossen.
 
Mit Paymit gegen Apple und Co.
Mit ihrem Anschluss an Paymit will die Swisscom nun die Verbreitung der Bezahl- App bei kleineren Banken vorantreiben. Denn der Telekomkonzern hat über sein IT- Geschäft eine Menge kleinerer Banken bereits als Kunden. "Je mehr Banken angeschlossen sind, desto besser", sagte Roetz.
 
Im Gegensatz zu Tapit der Swisscom hat sich Paymit relativ schnell verbreitet. Bis heute sei die Ende April gestartete Bezahl-App der Finanzbranche knapp 90'000 mal heruntergeladen worden, hiess es.
 
Mit dem Aus von Tapit gibt es einen ersten Konsoliderungsschritt im Schweizer Markt für Zahlungs-Apps. Doch bereits Morgen zeigt Postfinance an einem Pre-Launch-Event in Zürich die Zahllösung Twint.
 
Wirklich bedrohlich für die Schweizer Finanzindustrie sind allerdings Bezahlsysteme von multinationalen Tech-Giganten. Zu nennen sind etwa Apple Pay, Google, Samsung, Facebook und natürlich Paypal. (sda / hc)