Bund schiesst Projekt ASALneu ab

Zu hohe Risiken, zu geringer Nutzen: Der Bund stoppt das umstrittene Projekt, das Auszahlungssystem der Arbeitslosenkasse von CSC modernisieren zu lassen.
 
Man hat es kommen sehen: Der Bund stoppt das Projekt ASALneu. Mit ASALneu hätte das alte Auszahlungsstem der Arbeitslosenversicherung ohne funktionale Änderungen auf Java umgeschrieben werden sollen. Der Auftrag war vor genau zwei Jahren ohne Ausschreibung an CSC vergeben worden.
 
Schon vor einem Jahr hat die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) das ASAL-Projekt sehr kritisch betrachtet.
 
Wie das Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO, heute mitteilt, hat die Aufsichtskommission für den Ausgleichsfonds beschlossen, das Projekt abzubrechen. Man musste bei einer Neueinschätzung des Projekts feststellen, dass die ursprünglichen Ziele für das Projekt nicht oder nur unter hohen Risiken erreicht werden könnten. Wie der Präsident der Aufsichtskommission, Boris Zürcher auf Anfrage zu inside-it.ch sagte, hatte man sich zuvor mit dem Lieferanten CSC geeinigt, das Projekt von externen Experten beurteilen zu lassen. Dabei sei klar geworden, dass das Projekt zwar umsetzbar sei, die ursprünglichen Ziele aber nicht erreicht würden. Zudem wäre der ursprüngliche Terminplan wohl nicht zu halten gewesen.
 
Endlich eine Strategie
Nun will der Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung bis zum ersten Quartal 2016 eine IT-Strategie erarbeiten und dann Varianten für den Ersatz der alten Systeme evaluieren. Zürcher: "Wir werden auch evaluieren, ob es Standardlösungen gibt, die unsere Bedürfnisse abdecken." ASAL ist eine Grossrechnerlösung aus dem Jahre 1993. Die Wartung ist teuer und man kann das System nicht weiterentwickeln und es gibt kaum noch Fachleute, die die alte Technologien beherrschen.
 
Liegt eine Strategie vor, sollen die neuen Projekte dann auch korrekt ausgeschrieben werden. Das Projekt ASALneu war noch freihändig vergeben worden.
 
Kosten und versteckte Kosten
Der Abbruch des Projekts kostet den Bund "finanzwirksam" nur "mehrere hunderttausend Franken", heisst es in der Pressemitteilung des Seco. Das ist allerdings etwas schönfärberisch. Denn der Bund hat CSC bis heute rund 10 bis 15 Prozent der 22 Millionen überwiesen. Ein Teil davon wäre aber sowieso für die Wartung von ASAL fällig geworden und wird deshalb nicht mitberechnet.
 
Ausserdem muss der Bund interne Kosten für das Projekt abschreiben. Und CSC bekommt den Auftrag, ASAL bis mindestens 2021 zu warten. Dieser Auftrag dürfte teuer werden.
 
Positiv ist allerdings zu werten, dass man das Projekt überwacht hat und sich nun getraut, es zu stoppen. Zürcher: "Kein IT-Projekt des Bundes wurde so eng geführt wie dieses." (hc)