Partnering in der digitalen Welt

Nur eine Minderheit der Firmen hat eine durchgängige und moderne Sourcing-Strategie
Neuartige Partnermodelle sind im Zeitalter der Digitalisierung wichtig. Doch die wenigsten Firmen haben eine Strategie.
 
Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit wird in Zeiten mehr und mehr vernetzter Geschäftsmodelle ein Schlüsselfaktor für Unternehmen. Partnerschaftsformen der digitalen Welt gehorchen jedoch neuen Spielregeln. Die Merkmale, Herausforderungen und auch die Geschwindigkeit im Partnering haben sich verändert. Somit werden strategische Partnerschaftsmodelle, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, zunehmend zu Auslaufmodellen. Zu diesem Thema haben sich mit freundlicher Unterstützung von Cognizant und Avectris 61 Top-Kader aus 45 Unternehmen der C-Level-Community zum 3. Roundtable unter dem Titel "Strategic Partnering und NextGen Sourcing" getroffen.
 
Es gilt, für Unternehmen zwischen zwei verschiedenen Arten von Partnering zu unterscheiden. Zum einen sind dies Partnerschaften in etablierten Geschäftsfeldern und Wertschöpfungsbereichen zur Optimierung oder Transformation des Bestehenden. Zum anderen entstehen neue Partnerschaftsmodelle in der digitalen Welt zur Schaffung von Innovation, etwas Neuem und neuen Kundenerlebnissen. Wie eine Befragung der teilnehmenden Top-Manager zeigte, wird diese Unterscheidung in Schweizer Unternehmen noch unzureichend vorgenommen. Nicht mal ein Viertel der Unternehmen unter scheidet demnach durchgängig und konsequent zwischen dem Partnering in etablierten Commodity-Bereichen und dem Partnering in Innovationsbereichen der digitalen Welt. Und das, obwohl 97% der befragten Top-Executives strategische Partnerschaften im digitalen Zeitalter für wichtig bis sehr wichtig erachten.
 
Neue Elemente des Partnerings gewinnen zunehmend an Bedeutung. Nur wer neue Formen des Partnerings lebt, sich in ausgesuchten Bereichen gar mit der direkten Konkurrenz verbündet, Kunden aktiv in die Produkt- und Serviceentwicklung einbindet, mit innovativen Start-Ups zusammenarbeitet und Netzwerke und Eco-Systeme mit digitalen Innovatoren aber auch etablierten Unternehmen pflegt, kann gegen disruptive Technologien von Wettbewerbern gewappnet sein.
 
Verschiedene Partnerschaftsmodelle
Nicht nur die neuen Spielregeln des Partnerings stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Darüber hinaus zeichnen sich moderne Partnerschaftsmodelle ganz traditionell durch eine breite Palette an Optionen und Kooperationsansätzen aus. Beginnend von losen Partnerschaften etwa für einzelne Projekte, über strategische, nicht exklusive Allianzen bis hin zu Equity-Beteiligungen, Akquisitionen, Joint Ventures oder aber natürlich auch "einfaches" Sourcing. Gerade im Bereich der strategischen aber auch der losen Partnerschaften sehen die befragten Top-Executives der C-Level-Community dabei den grössten Handlungs- und Optimierungsbedarf in ihren Unternehmen.
Erst ein knappes Drittel der Unternehmen arbeitet aktiv mit Endkunden zusammen.
 
Aus diesen unterschiedlichen Partneransätzen folgt naturgemäss eine hohe Diversität von Partnern. Über Branchengrenzen hinweg, auch mit Wettbewerbern, Start-Ups oder mit Kunden. Wie die Befragung unter den Teilnehmern des Roundtables zeigte, herrscht in diesem Punkt noch reichlich Nachholbedarf in Schweizer Unternehmen. So gab nur eine Minderheit von 11% der Top-Executives an, im Bereich agiler Partnerschaften, wie etwa Eco-Systemen, bereits substanzielle Erfolge erzielt zu haben. Darüber hinaus arbeitet nur die Hälfte der Unternehmen schon mit Start-Ups zusammen. Und gar nur 30% der Schweizer Firmen gelingt es den Endkunden aktiv etwa in Innovationsprozesse einzubinden.
 
Voraussetzungen für erfolgreiches Partnering
Bevor es an die Auswahl der jeweils geeigneten Partnerschaftsform bzw. der konkreten Partner geht, müssen Unternehmen zu allererst die Frage beantworten, welche Tätigkeiten ein Unternehmen wirklich sinnvollerweise selber ausführen sollte und welche eben an externe Partner ausgelagert werden bzw. in Kooperation vorangetrieben werden sollten. Schon für diesen ersten Schritt scheinen Schweizer Unternehmen noch nicht ausreichend gut vorbereitet zu sein. So gaben lediglich 18% der befragten Teilnehmer an, über eine aussagekräftige Wertschöpfungs- und Sourcing-Strategie zu verfügen, die beschreibt, welche Teile der Wertschöpfung intern und welche von Partnern durchgeführt werden sollten. Ebenso düster sieht es bei der Frage nach der unternehmensweiten Umsetzung aus. Denn in ebenfalls nur 18% der Unternehmen der C-Level-Community ist demnach das Thema Partnering übergreifend und mit strategischer Sichtweise in der Unternehmensorganisation verankert.
 
Von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Partnerschaft ist eine ehrliche und realistische Win:Win-Konstellation für beide Seiten zu schaffen. Um dies überhaupt erreichen zu können, ist es zwingend notwendig, dass beide Seiten sich klar darüber werden, welche strategischen Ziele verfolgt werden sollen, was sie jeweils selber können und daraus folgend, was sie jeweils selber in die angestrebte Partnerschaft einbringen können. (C-Level / hc)
 
Über C-Level
C-Level ist eine Community, die aus der Mitte der Schweizer Manager entstanden ist. Im Rahmen ihrer Aktivitäten werden regelmässige C-Level-Roundtables veranstaltet und das C-Level Magazin publiziert. Über 700 der wichtigsten 3'500 Schweizer Top-Executives bringen sich bereits aktiv in der Community ein. C-Level befragt regelmässig Mitglieder zu aktuellen Themen und veröffentlicht die Resultate auf inside-it.ch.