Banken-Schwergewichte gründen Blockchain-Allianz

Die "Blockchain", die Technologie, die unter anderem die Grundlage der kontroversen Kryptowährung Bitcoin ist, weckt bei den Grossbanken dieser Welt Begehrlichkeiten. Viele davon, unter anderem UBS, investieren gegenwärtig individuell Geld, um Einsatzmöglichkeiten auszuloten. Generell erhoffen sich die Finanzinstitute eine massive Beschleunigung gewisser Transaktionen und eine deutliche Senkung der Kosten.
 
Nun haben sich erstmals einige der grössten Banken der Welt, darunter UBS und Credit Suisse, zusammengetan, um ihre Anstrengungen zu koordinieren. Diese Banken werden das New-Yorker Start-Up R3 CEV finanzieren. Dieses soll Ideen und Daten der verschiedenen Banken vergleichen und letztendlich Standards zum Einsatz der Blockchain oder von Blockchains im Banking erarbeiten.
 
Eine Blockchain ist ein "distributed ledger", ein rein digital von verschiedenen Parteien gemeinsam geführtes "Kassenbuch", in dem Transaktionen festgehalten werden. Aufgrund der eingesetzten Verschlüsselungstechnologien soll eine Blockchain theoretisch vor Manipulationen gefeiht sein. Da dieses Kasssenbuch "offen" im Internet geführt wird, sind Transaktionen, sobald sie verarbeitet wurden, innert Minuten von überall aus einseh- und verifizierbar. In der Bitcoin-Blockchain sind alle Transaktionen festgehalten, die je mit Bitcoins gemacht wurden. Die Technologie könnte aber , so die Hoffnung der Finanzwelt, auch auf viele anderen Transaktionen angewendet werden, zum Beispiel im globalen Wertschriftenhandel.
 
Dafür müssten aber die Banken letztendlich an einem Strick ziehen. "Wenn man auf der distributed-Ledger-Technologie basierende Applikationen einführen will, um die Finanzmärkte zu verbessern, dann kann nicht jeder Teilnehmer etwas anderes machen" erklärte laut 'Financial Times' der UBS-Mann Christopher Murphy anlässlich der Bekanntgabe der Kooperation. "Was R3 tun soll, ist einen Konsensus herbeizuführen, aufgrund dessen letztendlich gemeinsame Standards etabliert werden könnten."
 
Wie der R3-CEO David Rutter gegenüber 'Business Insider' erklärte, hat sein Unternehmen bisher eine noch äusserst breite "Wunschliste" der beteiligten Banken für den Blockchain-Einsatz zusammengestellt. Diese reicht von der Ausgabe von Papieren, dem Clearing und Abschluss von Wertpapiergeschäften bis zu "smarten" Veträgen. Nun geht es unter anderem darum, herausfinden, in welchen Bereichen die Blockchain die grössten Vorteile bringen würde, und in welchem Zeitrahmen ein Einsatz denkbar wäre.
 
Die neun bisher beteiligten Banken sind neben UBS und Credit Suisse Goldman Sachs, JPMorgan, Barclays, die Commonwealth Bank of Australia, State Street, die Royal Bank of Scotland und die spanische BBVA. Laut Rutter haben auch bereits weitere Banken ihre Beteiligung zugesagt, deren Namen aber noch nicht genannt werden können. (hjm)